Formel 1: Die wahren Höhepunkte in den Ardennen
Die Sommerpause ist vorbei, knapp vier Wochen nach dem GP in Ungarn ist die Formel 1 in Belgien am Start. In Spa-Francorchamps gibt es unheimlich schnelle Kurven und langsame Schikanen. „Diese Strecke erfordert ein niedriges bis mittleres Abtriebsniveau. Noch bei keinem Rennen in dieser Saison haben die Teams ein so niedriges Abtriebsniveau eingesetzt. Aber natürlich hängt viel vom Wetter ab, das in Spa traditionell sehr unberechenbar ist, deshalb müssen wir die Entwicklung jederzeit genau im Auge behalten“, erläutert James Key, Technischer Direktor bei Sauber. Bei vielen Piloten ist diese Strecke sehr beliebt, und auch den Ingenieuren macht es Spaß, für diese Strecke ein Auto abzustimmen. Fakt ist, dass Spa-Francorchamps eine 7,004 Kilometer lange Hochgeschwindigkeitsstrecke mit langen Geraden und berühmten Kurven ist.
Der Streckenpassage „Le Raidillon de l'Eau Rouge“ hat insgesamt drei Kurvennummern: 2, 3 und 4. Die Kurve 2 ist zunächst die Linksbiegung, welche den „Eau Rouge“ getauften Bach überquert. Sie wird mit 306 km/h durchfahren, dabei wirken seitliche Kräfte von bis zu 2,4g. Zur Erklärung: Als g-Kraft bezeichnet man die Belastung eines Körpers durch Beschleunigung. Ab 8g sind Schleudertraumata oder gar Knochenbrüche zu befürchten. Da ist die Kurve 3 eine Bergauf-Rechtspassage schon ein harter Brocken, die mit 303 km/h und 4g genommen wird. Und die Kurve 5 ist schließlich die Linkskurve über die Kuppe, die mit 296 km/h bei 2g durchfahren wird. Hier sind die Autos starken vertikalen Kräften ausgesetzt. Dies bedeutet, dass das Auto auf der Kuppe gewissermaßen schwerelos ist, nur der Abtrieb hält es auf dem Boden und nicht etwa das Gewicht des Formel-1-Boliden.
Bei so hohen Geschwindigkeiten beträgt der erzeugte Abtrieb rund das zweieinhalbfache des Fahrzeuggewichts. Die starke vertikale Beschleunigung könnte auch die Zuverlässigkeit von Motor und Getriebe beeinträchtigen, sollte dies nicht vorher in der Systemtechnik berücksichtigt worden sein. Ex-Weltmeister Jenson Button (McLaren Mercedes) weiß, „dass nach Eau Rouge den Berg hinauf, durch den Windschatten immer viele Gelegenheiten gab, um den Windschatten zu verwenden und in Les Combes hinein, dann zu überholen.“
Der amtierende Weltmeister Sebastian Vettel (Red Bull) erläutert: „Dieser Kurs steckt zudem voller Überraschungen, was das Wetter anbelangt. Es kann regnen und im nächsten Moment schon wieder strahlenden Sonnenschein geben. Der Streckenverlauf folgt den Hügeln der Ardennen und ich zähle Spa zu meinen absoluten Lieblingskursen. Eau Rouge und Blanchimont sind wahre Höhepunkte“. Und erklärt weiter, „im Trockenen kannst du diese Passagen ohne Probleme durchfahren, doch im Nassen ist das eine ganz andere Geschichte. Da musst du schon eine gehörige Portion Mut aufbringen, um den Fuß unten zu lassen.“ (Auto-Reporter.NET/Peter Hartmann)


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