Kältemittel R1234yf
Daimler drohen Sanktionen

19. Dezember 2012 | kommentieren

„Verhältnismäßige, wirksame und abschreckende Sanktionen“ sind im Gespräch, um Daimlers Entscheidung, das mehr als zweifelhafte Kältemittel R1234yf ab Januar in seinen Fahrzeugen nicht einzusetzen, doch noch zu kippen. Und diese „Sanktionen“ sind im Deutschen Bundestag im Gespräch, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ aus einem Rechtsgutachten des hohen Hauses zitiert.

Geht es nach den EU-Richtlinien, sind alle Fahrzeughersteller ab Januar 2013 verpflichtet, ein Kühlmittel einzusetzen, das weniger klimabelastend ist als das gegenwärtig verwandte R134a (Tetrafluorethan).

Hintergrund für Daimlers Verweigerung sind Tests, in denen der Autobauer nachweisen konnte, dass etwa bei einem Unfall austretendes R1234yf schnell zu einem Brand führt und dabei potenziell tödliche Gase freigesetzt werden. Skepsis gegenüber dem Kühlmittel kommt auch aus dem Hause VW; hier wird CO2 als Alternative favorisiert. Anders aber als bei VW, deren Golf 7 die Typzulassung noch mit dem herkömmlichen R134a bekam, drängt in Stuttgart die Zeit, denn sowohl der A- als auch der B-Klasse könnte schlimmstenfalls die Typgenehmigung entzogen werden, wenn der Autobauer nicht auf EU-Linie einschwenkt.

Eingebrockt wurde die sprichwörtliche Suppe 2010. Damals entschied sich der Verband der Automobilindustrie (VDA) für das umstrittene Kältemittel R1234yf; begründete Skepsis schob man beiseite. Und die Politik hielt sich seinerzeit ausdrücklich zurück. Den EU-Vorgaben war Genüge getan. Alles schien fein. Bis vor wenigen Wochen, als das Thema endlich auch von unseren Politikern als dringlich erkannt wurde. Wie „Auto Bild“ berichtete, formierte sich gar parteiübergreifende Empörung gegen das geplante „Killer-Kältemittel“. Diese Stimmen sind offenbar wirkungslos verhallt.

Denn dass nun, wenige Tage vor dem Jahreswechsel, von „abschreckenden Sanktionen“ gegenüber Daimler die Rede ist, und der Autobauer exemplarisch für die Branche im Regen stehen gelassen wird, kann nur verwundern. Beim VDA setzt man derweil auf eine politische Einigung und will das alte Mittel R134a noch sechs Monate länger einsetzen dürfen, um in dieser Zeit mögliche Risiken genauer bewerten zu können. Wäre man schon 2010 den vorgebrachten Einwänden nachgegangen, hätte man das Ergebnis derartiger Untersuchungen bereits auf dem Tisch und Daimler kein Problem. Ganz nebenbei: 10.000 Autos mit R1234yf an Bord rollen immerhin auf unseren Straßen … Erst wenn es zu spektakulären Zwischenfällen kommt, sind wieder alle so richtig betroffen. (Auto-Reporter.NET/arie)

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