„Mir gäbet alles“
Testfahrt mit dem Boxster

24. Januar 2013 | kommentieren
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Seit knapp einem Jahr ist die dritte Generation des Boxster auf dem Markt. Ähnlich wie beim 2011 neu vorgestellten 911 haben die Schwaben einen großen Schritt gemacht. Wir baten die etwas leistungsschwächere der beiden Varianten zum Test.

Diesen Porsche hatten wir uns bewusst so bestellt: Als „Basis-Boxster“ ohne „S“ dahinter, also mit 50 Pferden weniger als beim Spitzenmodell. Wir dachten uns, 195 kW/265 PS müssten nicht nur ausreichen, vielleicht ist das Roadster-Fahrgefühl mit etwas weniger Brachialleistung sogar noch ein wenig ausgeprägter. Denn immerhin geht es ja bei einem solchen Fahrzeug zumindest nicht allein um die reine Höchstgeschwindigkeit. Viel wichtiger sind Kurvenverhalten und – ja – auch die Cruising-Eigenschaften. Warum sonst ist ein Roadster wie der Mazda5 mit lediglich bis zu 160 PS sonst so erfolgreich? Gut, der Boxster spielt da schon in einer anderen Liga. Aber durchaus nicht in einer eigenen, denn ähnlich leistungsstarke Zweisitzer gibt es auch von Mercedes, BMW und Audi. Nur sind das eben keine Porsche.

© Porsche
Die überarbeitete Silhouette des Boxster

Konsequente Designidee

Die Stuttgarter haben ihrem Roadster praktisch alle idealtypischen Eigenschaften dieser Fahrzeuggattung mit auf den Weg gegeben. Neben selbstverständlich nur zwei Türen und zwei Plätzen sind da vor allem das Mittelmotor-Konzept und der Hinterradantrieb zu nennen. Und dann ist es natürlich ein klassischer Boxermotor, der den Porsche antreibt. Aus unserer Sicht mindestens ebenso wichtig wie die technischen Grundlagen, die ja auch schon die Boxster der ersten beiden Generationen auszeichneten, sind die vorgenommenen Veränderungen. Ehrlich gesagt: Der Boxster war uns bisher optisch ein wenig zu weich, was vor allem an den etwas konventionellen Linien lag, denen es an Schwung und Eleganz mangelte. Anders als der schon in der ersten Generation wunderschöne Cayman, wirkte der Boxster immer ein wenig formlos und ohne tragende Designidee. Großes Kompliment an Porsche: Damit ist es in der dritten Generation vorbei.

Ähnlich konsequent wie 2011 beim neuen 911er haben die Schwaben auch dem Roadster fast alle Schwächen ausgetrieben. Und dazu zählte aus unserer Sicht bisher die Optik. Jetzt aber vermittelt schon der Anblick des Zweisitzers genau das Temperament, das ihn auch beim Fahren auszeichnet. Die ausgprägtere Front mit der abfallenden Motorhaube, vor allem aber die Seitenlinie mit den deutlich gezeichneten Karosseriefalten und der leicht ansteigenden Gürtellinie sorgen für Dynamik und Eleganz. Genau so muss ein Roadster aussehen. Muss er sich auch genauso fahren? Diese Frage ist schnell beantwortet und die Antwort ist wenig überraschend. Denn ein Boxster ließ sich auch bisher schon prima fahren – jetzt kann er praktisch alles noch ein wenig besser.

© Porsche
Roadster-Fahrspaß wie eh und je

Am richtigen Ende gespart

Er beschleunigt schneller, liegt satter in den Kurven, lässt sich feinfühliger lenken und verbraucht bei normaler Fahrweise weniger Sprit. Und das ist auch gut so, denn der Porsche möchte am liebsten superteures Super Plus haben. Davon konsumiert er theoretisch alle 100 Kilometer 7,7 Liter, wenn durch zurückhaltende Fahrweise die EU-Norm geschafft wird. Zudem muss man für teure 2.826 Euro das allerdings formidable Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe geordert haben. Unser Testwagen war damit ausgerüstet. Wer sich für das manuelle Sechsganggetriebe entscheidet spart also Geld und fährt wahrscheinlich sogar authentischer, muss dies aber mit höherem Verbrauch und deutlich weniger Alltagskomfort bezahlen.

À propos Alltag: Das Verdeck öffnet nicht nur elektrisch und schnell, sondern auch bis zu einem Tempo von 50 km/h. Da lohnt es sich selbst im Winter, das Dach auch mal für eine kurze Strecke durchs Dorf aufzumachen. Der Boxster ist also auch in dieser Hinsicht Spaßmobil, mit dem man aber vor allem gerne etwas schneller unterwegs ist. Obwohl wir es in dieser Hinsicht eigentlich nicht übertrieben, lag unser Testverbrauch bei 10,2 Liter. Deutlich über dem Normverbrauch, aber eigentlich auch alles andere als überraschend. Denn der 2,7-Liter-Sechszylinder mag gerne bei höheren Drehzahlen bewegt werden. So liegt das maximale Drehmoment erst bei 4.500 U/min. Auch darunter ist allerdings immer genug Kraft vorhanden.

© Porsche
In verschiedensten Ausführungen zu haben

Mit dem ohne Fahrer reichlich leichten Auto (1,3 Tonnen) hat der 195 kW/265 PS leistende Boxermotor keinerlei Probleme. Und das ganze Fahrzeug auch nicht mit sehr schnell gefahrenen Kurven. Der Boxster liegt stets wie ein Brett auf der Straße, lenkt wahnsinnig präzise und lässt sich sehr schnell und sehr genau abbremsen. Letzteres ist ja eine Porsche-Spezialität. Die viel gerühmten und auch für dieses Modell erhältlichen Keramik-Bremsen mögen das noch ein bisschen besser können, aber eigentlich kann man sich die dafür fälligen 7.300 Euro sparen. Oder in andere Extras stecken, denn davon gibt es viele im Katalog und sie sind nicht eben billig. Erfahrungsgemäß wissen die Schwaben, wie man Geld verdient. In diesem Fall auch wo.

Denn auf den im Vergleich zu einem 911er recht fair erscheinenden Grundpreis von knapp 51.120 Euro (48.300 ohne Doppelkupplung) kann man so viele Optionen ordern, dass es in der Praxis wohl kaum einen Boxster gibt, der mit einem Endpreis von deutlich unter 65.000 Euro den Händlerparkplatz verlässt. Wir ersparen uns an dieser Stelle die Aufzählung von Einzelposten aus dieser schier unendlichen Liste. Aber es sei auch dies gesagt: Der Porsche Boxster ist in dieser Preisklasse der unserer Meinung nach fahraktivste Roadster – und richtig gut sieht er (jetzt) auch aus. Er ist, vom heutigen Standpunkt aus betrachtete, als Fahrmaschine fast perfekt. So könnte man in Abwandlung des bekannten Schwaben-Spruchs „Mit gäbet nix“ über Porsche und seinen Boxster auch sagen: „Mir gäbet alles“. Denn das haben die Zuffenhausener bei diesem Fahrzeug wirklich getan.  

Technische Daten: Porsche Boxster (PDK)

Zweitüriger, zweisitziger Roadster; Länge: 4,37 Meter, Breite: 1,80 Meter, Höhe: 1,28 Meter; Radstand: 2,48 Meter; Gepäckraum: 280 Liter (150 vorne/130 hinten)

2,7-Liter-Sechszylinder-Mittelmotor-Boxer; Heckantrieb; 195 kW/265 PS; maximales Drehmoment: 280 Newtonmeter zwischen 4.500 und 6.500 U/min; 0-100 km/h: 5,7 s; Vmax: 262 km/h

Durchschnittsverbrauch je 100 Kilometer: 7,7 Liter Super Plus; CO2-Ausstoß: 180 g/km; Effizienzklasse: F; Testverbrauch: 10,2 Liter Super Plus

Preis: ab 51.117 Euro (48.291 Euro mit Sechsgang-Handschaltgetriebe)

Kurzcharakteristik: Alternative zu: Audi TTS, BMW Z4 28i, Mercedes SLK 350. Passt zu: Männern, denen die bisherigen Boxster optisch zu soft waren. Sieht gut aus: Ja, vor allem viel sportlicher als der Vorgänger.

Peter Eck/SP-X

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