Fahrbericht: Hyundai i10
Der leise Angreifer

7. August 2013 | kommentieren

Hyundai zeigt die ersten Bilder seines neuen Modells i10. Unsere Testfahrten mit einem Prototyp belegen den Anspruch: Mit der Neuauflage des Einsteigermodells können auch den Bestsellern in diesem Segment Kunden abgejagt werden. Dazu muss aber auch der Preis stimmen.

Verwirklichung des Traumes

An einer Aufgabe versuchen sich Kleinwagenhersteller seit Jahrzehnten hartnäckig – ohne jede Aussicht auf Erfolg: das Auto von Innen größer zu machen als von Außen. Was ja auch schlichtweg nicht möglich ist.

© Hyundai
Der Wagen ist mit 3,65 Meter acht Zentimeter länger als der Vorgänger, der Radstand leicht auf 2,39 Meter gewachsen.

Wer aber im September auf der IAA erstmals im Nachfolger des Hyundai i10 Platz nehmen wird, der wird merken: Der Verwirklichung dieses Traumes sind die Designer und Entwickler inzwischen zumindest recht nahe kommen. Das belegen auch einige ersten Runden in einem Vorserienmodell des kleinen Koreaners.

Raumschiff-Atmosphäre

Die Bilder, die der Hersteller gerade veröffentlicht hat, belegen zunächst nur das immer noch häufig anzutreffende Wachstum von einer Generation zur nächsten: Der Wagen ist mit 3,65 Meter acht Zentimeter länger als der Vorgänger, der Radstand leicht auf 2,39 Meter gewachsen. In der Höhe ist der i10 dagegen um fünf Zentimeter geschrumpft, in der Breite misst er dagegen 6,5 Zentimeter mehr.

Wir wollten, dass er erwachsener dasteht.
(Jochen Werner, Designer)

© Hyundai
In der Höhe ist der i10 dagegen um fünf Zentimeter geschrumpft, in der Breite misst er dagegen 6,5 Zentimeter mehr.

Größer ist er auch von Innen geworden, davon konnten wir uns bei einigen Runden auf der Teststrecke im Werk Aslan bei Istanbul überzeugen. Hier kommt für diese Klasse schon fast Raumschiff-Atmosphäre auf – auf der Rückbank des Fünftürers finden nun auch zwei großgewachsene Europäer reichlich Platz für Kopf und Beine. Die Sitze sind durch die Bank bequem und bieten klassenuntypisch vorne sogar guten Seitenhalt. Hinten sind lediglich die Beinauflagen zu kurz. Die veränderte Federbeinaufhängung sorgt aber  dafür, dass sich die Passagiere stets sanft aufgehoben fühlen.

„Da scheppert nix“102092

Auch der Kofferraum hat mit 252 Litern nun zehn Prozent mehr Platz – und im Gegensatz zu manchen Konkurrenten auch ohne Verrenkungen oder Umklappen der geteilten Rücksitzbank Raum für zwei Wasserkästen. Die müssen aber stets über eine Ladekante gewuchtet werden. Die Heckklappe schließt wie die Türen satt. „Da scheppert nix“, würde VW-Chef Martin Winterkorn wohl sagen. Dessen Modell Up wie auch Ford Ka und Fiat 500 sind ja auch die Konkurrenten, an denen sich der kleine Hyundai messen will.

Es geht deshalb auch wertiger und fröhlicher im Innenraum zu als bisher. Die Zeiten grauer Plastikwüsten und nackten Blechs im Inneren sind vorbei. Den i10 gibt es mit einer Armaturentafel und Armauflagen in rot, blau, Orange und anthrazit und genoppten Kunststoffen, die man gern anfasst. Vor allem das Lenkrad mit Bedientasten für Telefon, Tempomat, Radio oder Lenkradheizung ist sehr hochwertig. Die Mehrpreise für die Aufwertung des Ambientes und Komforts sind allerdings noch nicht berechnet.

Stille an Bord

Immer an Bord ist indes Stille. Bei den ersten Fahreindrücken setzt der i10 hier klar einen Maßstab seiner Klasse. Die gefahrenen 1,0-Dreizylinder und 1,2-Vierzylinder-Benziner werden schon von sich aus nie wirklich laut, zusätzlich ist die Geräuschdämmung auf sehr hohem Niveau. Im täglichen Fahrbetrieb eine akustische Wohltat. Und auch bei Autobahngeschwindigkeiten wird der i10-Fahrer auch über längere Strecken angenehm im Verkehr mitgleiten können.

© Hyundai
Testfahrt im getarnten i10 auf der Teststrecke am Werk bei Istanbul.

Genaue Leistungsdaten verrät Hyundai noch nicht. Da die Motoren aber im Konzernregal grundsätzlich schon vorhanden sind, rechnen wir mit 51 kW/69 PS beim Dreizylinder und 63 kW/86 PS beim 1,2-Liter. Der wird damit rund 170 km/h Höchstgeschwindigkeit erreichen. Obwohl die Lenkung jetzt direkter und sportlicher den Fahrbahnkontakt sucht: Zackige Überholmanöver sind ohnehin nicht ratsam. Denn die beiden Benziner sind zumindest in den Prototypen deutlich als Sparmaschinen angelegt. Wer gern schneidig beschleunigt, sitzt im i10 nicht richtig. Wer den Schaltempfehlungen im Kombiinstrument folgt, kann aber fleißig Sprit sparen. Einen Diesel wird es im Gegensatz zu anderen Märkten in Deutschland nach unserer Einschätzung nicht geben. Gasantrieb wäre eher möglich. Und sehr wahrscheinlich wird Hyundai im 1,2-Liter-Motor wieder eine Viergangautomatik bringen. Die raubt indes rund zehn Kilometer Endgeschwindigkeit und macht den Vortrieb etwas zäher – aber eben auch komfortabler.

Wachsende Kleinstwagenklasse

Kleinwagenfahrer wollen schließlich keine rollende Verzichtserklärung mehr abgeben. Das müssen sie vor allem in der höchsten der wahrscheinlich drei Ausstattungsstufen auch sicher nicht. Multimedia-System, Startknopf, Sitzheizung, Reifendruckkontrolle, Schiebedach? Alles möglich. Nur für welchen Preis? Dazu sagen die Koreaner noch nichts. Viel teurer als das bisherige Modell sollte es aber nicht werden. Den gibt es offiziell ab 10.350 Euro – also deutlich über der magischen Grenze zur Fünfstelligkeit. In der Realität wohl eher darunter. Da sollte auch der Nachfolger nicht zu sehr zulegen. Zumal der Konzernbruder des bisherigen i10, der Kia Picanto, derzeit mit 8.990 Euro zum Kampfpreis auf den Markt rollt.

Der i10 soll schließlich in der wachsenden Kleinstwagenklasse räubern. Platz genug ist dafür. Bis 2016 soll das Segment in Europa auf 1,4 Millionen Autos wachsen. 74.000 Fahrzeuge will Hyundai schon im kommenden Jahr an Mann und Frau bringen. Die Voraussetzungen dafür fahren sich gut. Wir sehen ihn ab November auch in Deutschland.

//Artikel bewerten
//Links zu Hyundai
//Artikel empfehlen

//Schreibe deine Meinung!



* (Pflichtfeld)