Skoda Octavia Combi
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18. August 2013 | kommentieren
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Der neue Skoda Octavia Combi sprengt mit seinen Abmessungen nicht nur den Rahmen der Kompaktklasse. Das Volumenmodell des tschechischen Herstellers ist mittlerweile so gut, dass selbst eingefleischte VW-Fahrer Tribut zollen.

Man stelle sich ein Experiment vor: Eine Frau, die seit Jahrzehnten nur Volkswagen fährt – sie schwört auf VW, nehmen wir an ihr Vater hatte eine VW-Werkstatt. Hunderttausende Kilometer fuhr sie in Käfer, Polo, Bulli und Passat. Man stelle sich jetzt also vor, diese Frau setzt sich nun hinter das Steuer eines Skoda. Sie schaut sich um und fährt und sagt: „Ach, ist ja alles wie bei mir.“

Baut auf dem modularen Querbaukasten des VW-Konzerns

 
Zugegeben, es ist ein angenehmer Effekt. Einmal im neuen Skoda Octavia Combi Platz genommen, findet man sich in Sekundenschnelle zurecht, müsste man nicht fahren, ginge das sogar mit geschlossenen Augen. Positionierung der Knöpfe, handschmeichelnde Materialien, komfortable Sitze – gelernt haben die Tschechen von den hierzulande Erfolgreichsten: knapp 22 Prozent Marktanteil hat Volkswagen in Deutschland.
 

© SP-X
In der neuen Generation ist der Combi um neun Zentimeter in der Länge gewachsen, auf 4,66 Meter

In den Regalen der Muttergesellschaft konnten sich die Skoda-Ingenieure reichlich bedienen, der neue Octavia Combi baut auf dem modularen Querbaukasten des VW-Konzerns. Den durchzugsstarken 2,0-Liter-Diesel unseres Testwagens hat auch der Golf Variant unter der Haube. Im Octavia gibt er sich beim Start kernig, aber nicht unangenehm als Selbstzünder zu erkennen. Auf der Autobahn hat der 110 kW/150 PS starke Motor auch jenseits der 150 km/h noch Kraft für einen zügigen Wechsel auf die linke Spur. Den Normverbrauch von 4,5 Litern auf 100 km (119 g CO2/km) verpasste er im Test, im Schnitt flossen 6,4 Liter durch die Leitungen. Einen halben Liter darunter ist mit einem vorsichtigen Gasfuß sicherlich auch gut zu schaffen. Serienmäßig trägt der Fünftürer dazu mit Start-Stopp-Automatik und Bremsenergie-Rückgewinnung bei. Ausgerüstet mit 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe prescht der Octavia in 8,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo hundert, der etwas schwerere Golf Variant braucht 8,9 Sekunden.

In der Länge gewachsen

 

Aber dies soll ja kein Vergleichstest werden, auch wenn man an Vergleichen beim Octavia nicht vorbei kommt, will man seine Vorzüge beschreiben. Denn verglichen mit gängigen Kompaktklasse-Maßen steht der Tscheche im wahrsten Sinne des Wortes überragend da. In der neuen Generation ist der Combi um neun Zentimeter in der Länge gewachsen, auf 4,66 Meter. Der Radstand ist jetzt sogar elf Zentimeter länger. 1.740 Liter passen insgesamt hinter die große Klappe, hinter der Rückbank fasst der Kofferraum 610 Liter. Das ist mehr als beim Golf Variant (605 – 1.620 Liter) und auch mehr als der Kombi-Primus Passat Variant (603 – 1.731 Liter) eine Klasse höher bietet.
 

© Skoda
Ausgerüstet mit 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe prescht der Octavia in 8,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo hundert

Wäre dies der Testbericht einer Günstig-Tochter eines Automobilkonzerns, wäre mit dem Kapitel Ladevolumen wahrscheinlich die Aufzählung der Vorzüge abgeschlossen. Wir zählen an dieser Stelle weiter. Denn auch die bereits erwähnte, uns recht bekannt vorkommende Innenraumgestaltung ist sehr ansprechend. Unsere Testwagen-Konfiguration in Schokoladenfinger-unfreundlichem hellbeige ist wohl eher nichts für die Zielgruppe Familie, würde aber auch einem ausstattungsverwöhnten Dienstwagenfahrer gefallen. In der höchsten Version „Elegance“, unter anderem mit Sitzheizung, Zwei-Zonen-Klimaautomatik und Leder-Stoff-Sitzen kostet unser Testwagen mit 29.210 Euro knapp 2.000 Euro mehr als in der ebenfalls für den großen Diesel erhältlichen „Ambition“-Ausstattung. Es gibt das Innere natürlich auch in unempfindlichem Schwarz. Wählt man günstigere Stoffsitze hat Skoda aber auch hier an die Zielgruppe gedacht: Für 25 Euro extra sind die Rückseiten der Vordersitze mit abwaschbarem Kunstleder versehen. Für den Fall, dass matschige Kinderstiefel dagegen stoßen.

Fahrwerk könnte komfortabler abgestimmt sein

 

Sowieso hat sich das Mitdenken zu einem Merkmal der Tschechen entwickelt: Der praktische Eiskratzer im Tankdeckel, eine gummierte Ablage für tropfende Regenschirme oder vier ausklappbare Haken im Kofferraum, damit die Einkaufstüten einen kurvenreichen Transport überstehen. Es empfiehlt sich die Buchung des Ablage-Pakets: Für 50 Euro Aufpreis gibt es unter anderem einen Abfalleimer in der Tür und eine Wendematte für den Kofferraum, eine Seite Teppich, eine Seite Gummi – falls die matschigen Kinderstiefel vor der Fahrt ausgezogen werden sollen.
 

© SP-X
Positionierung der Knöpfe, handschmeichelnde Materialien, komfortable Sitze - gelernt haben die Tschechen von den hierzulande Erfolgreichsten: knapp 22 Prozent Marktanteil hat Volkswagen in Deutschland

Wer sich bei so viel Lob für den in unserer Ausstattung 29.210 Euro teuren Tschechen fragt, warum man rund 1.500 Euro mehr für einen gleich motorisierten und ähnlich ausgestatteten VW Golf Variant ausgeben sollte oder gar rund 5.000 für einen Passat Variant, dem seien noch schnell zwei Kritikpunkte genannt: Die Lenkung des Octavia könnte präziser sein und das Fahrwerk komfortabler abgestimmt. Aber sonst sind die Tschechen schon nah dran, an der Perfektion, die Volkswagen als Maßstab anlegt. Findet übrigens auch die eingangs erwähnte VW-Dame. Sie könnte sich eventuell auch vorstellen, einen Skoda zu kaufen. Wenn das kein Lob ist.
 

 
 
Octavia Combi Elegance Green tec 2.0 TDI – Technische Daten:
Fünftüriger, fünfsitziger Kompaktkombi; Länge: 4,66 Meter, Breite: 1,81 Meter, Höhe: 1,46 Meter, Radstand: 2,69 Meter, Kofferraumvolumen: 610 – 1.740 Liter
2,0-Liter-Turbodiesel, 110 kW/150 PS, Doppelkupplungsgetriebe (DSG), maximales Drehmoment: 320 Nm von 1.750 – 3.000 U/min, 0-100 km/h: 8,7 s, Vmax: 213 km/h, Durchschnittsverbrauch: 4,5 Liter, CO2-Ausstoß: 119 g/km, Effizienzklasse: B, Testverbrauch: 6,4 Liter
Preis inkl. DSG-Getriebe in der Variante „Elegance“: ab 29.210 Euro (Grundpreis mit 1,2-Liter-Benziner mit 63 kW/86 PS: 15.990 Euro)Kurzcharakteristik:
Alternative zu: VW Golf Variant, Passat Variant, Seat Exeo ST, Opel Astra Sports Tourer
Passt zu: klassischen Kombi-Kunden, die kein VW-Logo brauchen
Sieht gut aus: Neben den Mitgliedern der VW-Familie

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