Test: Porsche Cayman
Tanz mit der Kurve

22. August 2013 | kommentieren
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Wer die Preise für einen 911er kennt, wird den Cayman geradezu als Schnäppchen bewerten. Das ist aber nicht der einzige Vorteil des Stuttgarter Sportwagens. Wer das pure Fahrerlebnis sucht, wird mit diesem Zweisitzer glücklich werden.

Der Kleinwagen hat den Überholvorgang abgeschlossen, die linke Autobahnspur ist wieder frei und der vor uns fahrende 5er-Diesel gibt Gas. Und zieht erst einmal weg. Was? Das kann nicht sein! Also flugs vom sechsten in den vierten Gang zurückgeschaltet, den Gasfuß durchgedrückt und nach einigen Sekunden ist man wieder dran – und kurze Zeit später auch vorbei. So muss es ein. Ja, mangelndes Überholimage kann man einem Cayman wahrlich nicht vorwerfen.

Will einen aktiven Fahrer

Die kleine Episode auf einer deutschen BAB macht den Charakter des kleinen Porsche deutlich. Für die schnelle Beschleunigung und für den ganz großen Fahrspaß benötigt der Sechszylinder-Boxer einfach Drehzahlen. Das zeigen auch andere Werte: Das maximale Drehmoment von zunächst nicht übermäßig viel anmutenden 290 Newtonmetern wird erst bei 4.500 U/min erreicht, hält sich dann aber bis 6.500 Umdrehungen. Und hochfahren lässt sich der Motor bis immerhin 7.800.

© Porsche
Wer die Preise für einen 911er kennt, wird den Cayman geradezu als Schnäppchen bewerten.

Ein Hochdrehzahlkonzept also und das muss der Käufer eines Cayman wissen. Denn sonst geht es ihm so wie einer jungen Dame in der Redaktion nach einer kurzen Einkaufsfahrt durch die Stadt: Es könnte sich leichte Enttäuschung einstellen. Der Cayman will einen aktiven Fahrer, jemanden der gerne und viel schaltet. Das knackige Sechsganggetriebe macht Spaß, wenn wir den Schalthebel auch gerne etwas niedriger angesetzt gehabt hätten. Wem der ständige Gangwechsel auf Dauer zu viel Arbeit ist, muss sich ein anderes Fahrzeug zulegen – oder den Cayman mit optionalem 7-Gang-PDK ordern. Dann fährt er sich alltagstauglicher, verliert aber auch ein klein wenig an Flair.

Fleht nach Drehzahlen und Geschwindigkeit

Wer einen Hund hat weiß: Der benötigt je nach Größe und Rasse viel Auslauf. Dem bissigen Cayman geht es nicht anders. Fährt man ihn längere Zeit nur durch die Stadt, meint man den Sportler geradezu nach Drehzahlen und Geschwindigkeit flehen zu hören. Eine besondere Art der Tier-Quälerei. Geht es dann auf die Autobahn, sägt er zufrieden vor sich hin, um bei Gasstößen kurz und sonor Rückmeldung zu geben. Am wohlsten fühlt sich der Zweisitzer allerdings dort, wo alle echten Sportwagen zuhause sind: auf Landstraßen und auf Bergetappen oder Küstenstraßen – gerne mit ganz vielen Kurven und ganz wenig Verkehr. Der Tanz kann beginnen.

© Porsche
Es gibt nicht wenige Porsche-Kenner, die den Cayman für den pursten, echtesten Porsche halten.

Der Cayman ist in mancher Hinsicht viel kompromissloser als der große Bruder 911 und vom Schwestermodell Boxster unterscheidet er sich durch die fehlende Dachöffnungsmöglichkeit. Was ihn als Fahrmaschine konsequenter wirken lässt. Zudem geben die cleveren Schwaben  dem Cayman sowohl in der von uns bewegten Normalversion als auch in der S-Variante – dann mit 3,4-Liter-Motor und 239 kW/325 PS – jeweils zehn Pferdchen mehr Leistung mit auf die Straße. Was ein zusätzlicher Grund ist, den Preisunterschied von 3.000 Euro zu rechtfertigen. Damit wir nicht falsch verstanden werden: Die drei Tausender zusätzlich nimmt Porsche für den Cayman. Ein seltenes Beispiel dafür, dass eine wenn auch marginal schwächere Cabrio-Version günstiger ist, als die geschlossene Variante. Porsche eben.

Nahezu perfekter Sportwagen

Wer die Preise eines 911 gewohnt ist, wird die knapp 51.400 Euro Grundpreis trotzdem geradezu als fair empfinden. Aber Obacht: Man kann in den Porsche-Preislisten auch hier ganz problemlos Optionen für 20.000 oder 30.000 Euro hinzufügen. Mindestens 10.000 Euro müssen es sowieso sein, damit die grundlegenden Dinge an Bord sind.

© Porsche
Wer das pure Fahrerlebnis sucht, wird mit diesem Zweisitzer glücklich werden.

Als Gegenwert für diesen Haufen Euro erhält man einen nahezu perfekten Sportwagen, qualitativ hochwertig und auf ein langes Leben ausgelegt. Was sich auch in hohen Gebrauchtwagenpreisen niederschlägt – oder anders gesagt: in relativ geringem Wertverlust.
Es gibt nicht wenige Porsche-Kenner, die den Cayman für den pursten, echtesten Porsche halten. Sie meinen, dass der Zuffenhausener heute genau jene Rolle spielt, die der groß, breit und auch schwerer gewordene 911er vor 20 oder 30 Jahren einnahm. Wir würden dieser Ansicht nicht widersprechen wollen.

Porsche Cayman – Technische Daten:
Zweitüriger, zweisitziger Sportwagen; Länge: 4,38 Meter, Breite: 1,80 Meter, Höhe: 1,29 Meter, Radstand: 2,48 Meter, Kofferraumvolumen: 312 Liter (150 Liter vorne – 162 Liter hinten)
2,7-Liter-Sechszylinder-Boxermotor, 202 kW/275 PS, maximales Drehmoment: 290 Nm bei 4.500 – 6.500 U/min, 0-100 km/h: 5,7 s, Vmax: 266 km/h, Durchschnittsverbrauch je 100 Kilometer: 8,2 Liter Super plus, CO2-Ausstoß: 192 g/km, Abgasnorm: Euro 5, Effizienzklasse: G, Testverbrauch: 11,4 Liter
Preis: ab 51.385 EuroKurzcharakteristik:
Alternative zu: Audi TT, BMW Z4, Mercedes SLK, Jaguar F-Type, Peugeot RCZ R
Passt zu: Gleitern und Gasgebern – Kurvenräubern und Cruisern
Sieht gut aus: zweifellos der schönste Porsche – Widerspruch erlaubt

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