Fahrbericht Ford Fiesta ST:
Serpentinenzirkel

18. September 2013 | kommentieren
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Ford macht aus seinem Topseller Fiesta mit dem ST eine kleine Straßenrakete. Durch den bekannten 1.6-Liter-Ecoboost wird aus dem Einkaufswagen eine Knallbüchse, die 134 kW / 182 PS bereitstellt und trotz Frontantrieb beeindruckende Fahrleistungen an den (jungen) Mann bringt. Alle Sinne werden bedient.

Der Fiesta ST ist in eindrucksvollen 6,9 Sekunden auf Tempo 100 km/h gebracht und fängt erst bei 200 km/h langsam an, etwas zäh zu werden. Die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 223 km/h wird aber allemal erreicht. Ob das so spaßig ist, muss der Käufer für sich entscheiden, denn Autobahnstrecken prägen sich ins Gedächtnis des Fahrers als Bodenwellensequenz ein. Vollgasfahrten ohnehin: Ein Verbrauch von acht Litern auf 100 Kilometer ist auf der Autobahn selbst bei ruhiger Fahrweise schwer zu realisieren. In der Innenstadt oder Überland werden bei starker Beschleunigung auch mal gute zehn Liter fällig.

Intelligentes Sicherheits-System IPS

Sei’s drum. Wenn man sich für ein Auto wie den ST entscheidet, will man Sportlichkeit und das möglichst kompromisslos. Das Fahrwerk hält den munter hochdrehenden Turbo-Fiesta in Serpentinen optimal in der Spur und wird dabei vom Stabilitätssystem ESC mit Torque-Vectoring-Control unterstützt, das den Schlupf in engen Kurven zwar etwas zurückhält, den Fahrer aber bei höheren Geschwindigkeiten weitgehend in Ruhe lässt. Wer es ganz hart möchte, schaltet das System aus und erlebt den um 15 Millimeter tiefergelegten Ford mit sanftem Übersteuern im Grenzbereich.

Solchen Manövern kann man mit My-Key einen Riegel vorschieben. Das System ermöglicht es, zum Beispiel Fahranfänger von den Möglichkeiten des ST fernzuhalten. Mithilfe eines Zweitschlüssels, auf dem spezifische Einstellungen gespeichert werden, lässt sich zum Beispiel die Lautstärke des Audiosystems begrenzen und eine Sperre für das Ausschalten der Assistenzsysteme aktivieren. Das Intelligente Sicherheits-System IPS ist außerdem mit an Bord – es umfasst Front-Airbags für Fahrer und Beifahrer, einen Knie-Airbag für den Fahrer, Kopf-Schulter-Airbags vorn und hinten sowie Seiten-Airbags für Fahrer und Beifahrer sowie ein Notbremslicht inklusive Warnblinker-Aktivierung bei starkem Abbremsen.

Recaro-Sportsitze als Highlight

Von außen erlebt man eine Zusammenstellung der von Ford bekannten Designelemente bei ST- und RS-Modellen. Frontschürze, Seitenschweller und Heckschürze mit Diffusor geben den sportlichen Look an und werden dabei von anthraziten 17-Zoll-Leichtmetallrädern im 5-Speichen-Design mit Reifen der Dimension 205/40 R 17 W unterstützt. Mit roten Bremssätteln sind diese im so genannten Performance-Paket-I enthalten. Hinzu gesellen sich die roten ST-Schriftzüge an Front- und Heck sowie spezielle Nebelscheinwerfer, die in die Frontschürze eingefasst sind. Farbenfrohe Lackierungen in „Electric Orange“, „Performance-Blau“ (optisch identisch mit dem früheren „Metallic-Racingblue), „Frost-Weiß“ und „Race-Rot“ geben den Ton an. Die Scheinwerfer tragen LED-Tagfahrlicht in sich, verzichten zugunsten eines Halogen-Bulbs jedoch auf Xenon. Schade.

Im Innenraum fährt man mit dem Fiesta-Cockpit gut. Beim ST ist es aufgewertet durch einen gut ablesbaren, sportlich designten Tacho, ein Sportlenkrad mit ST-Schriftzug, das die Steuerung für Ford Sync und Geschwindigkeitsregler bereit hält. Hübsch anzusehen sind die Ambiente-Beleuchtung und die optional erhältlichen rot beleuchteten Einstiegsleisten. Das Highlight sind jedoch die Recaro-Sportsitze (serienmäßig), die für 1000 Euro Aufpreis zusätzlich in Teilleder und mit Sitzheizung geliefert werden. Sie bieten einen in dieser Klasse wohl beispiellosen Seitenhalt und liegen bequem an. Das optionale „Leder-Sport-Paket“ umfasst zusätzlich ein Premium-Audio-System von Sony mit Sync und eine Klimaanlage mit automatischer Temperaturkontrolle inklusive Bordcomputer.

Überzeugender Sound

Das Radio mit Ford Sync und Navigation nimmt AUX- sowie USB-Signale auf und bietet einen überzeugenden Sound mit kräftigem Tiefton – ähnlich der durch Sound-Symposer optimierten Abgasanlage. Die Navigation ist mitunter etwas unzuverlässig, mit der Steuerung kommt man nach einer kurzen Eingewöhnungsphase aber gut zurecht. Einzig die Erreichbarkeit ist zu kritisieren, da der Arm manchmal nicht lang genug ist, um an die Tasten zu kommen. Ähnlich verhält es sich übrigens mit dem Schaltknauf, der mit noch kürzeren Schaltwegen für das Sechs-Gang-Getriebe komfortabler zu bedienen wäre.

Insgesamt liefert Ford ein in dieser Preisklasse (19 900 Euro) nahezu konkurrenzloses Sportauto. Mitbewerber, wie der Seat Ibiza Cupra (23 590 Euro) und der VW Polo GTI (22 925 Euro) sind deutlich teurer und zivilisierter. Einzig der teure Mini Cooper S (23 750 Euro) kann hier fahrdynamisch mithalten.

Für den einen mag Komfort ein Kaufargument sein, für den anderen eben nicht. Für die Zielgruppe der 20- bis 30-Jährigen dürfte der Fiesta das aufregendste und günstigste Gesamtpaket mitbringen und überzeugt zudem mit dem optischen und akustischen Auftritt auch andere Verkehrsteilnehmer. Die Generation Internet hat zudem am klangstarken CD-Radio mit Ford Sync ihren Spaß.

Daten Fiesta ST

Länge x Breite x Höhe (in m): 3,98 x 1,98 (mit Spiegel) x 1,46
Motor: Reihen-Vierzylinder, Turboaufladung, 1596 ccm
Leistung: 134 kW / 182 PS bei 5700 U/min
Maximales Drehmoment: 240 Nm bei 1600 – 5000 U/min
Verbrauch (Schnitt nach EU-Norm): 5,9 Liter/100 km
Kohlendioxidemission: 138 g/km (Euro 6)
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 6,9 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 223 km/h
Leergewicht / Zuladung (maximal): 1163 kg / 412 kg
Kofferraumvolumen: 281 – 979 Liter
Basispreis: 19 990 Euro

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