Test: Lexus IS 300h F-Sport
Die Entdeckung der Stille

10. November 2013 | kommentieren
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Eigentlich will der Lexus IS in der neuesten Generation vor allem mit seinen dynamischen Fähigkeiten beeindrucken. Das gelingt zwar nur bedingt, dafür kann er mit anderen Vorzügen punkten.

Freund der leisen Töne

Woran erkennt man ein lautes Auto? Am abgenutzten Lautstärke-Regler des Radios. Denn dort muss der autofahrende Mediennutzer bei wechselndem Tempo ständig nachjustieren, um die Motor-, Wind- und Abrollgeräusche zu übertönen. Beim Lexus IS 300h kann er die Finger von den Knöpfchen lassen, denn die Mittelklasselimousine mit Hybridantrieb ist bei jedem Tempo ein Freund der leisen Töne.

© Lexus
Die sportlichen Formen sind allerdings nur Tarnung

Auch wenn das Design durchaus „laut“ ist – vor allem im Hinblick auf die unruhige Front – und der Hersteller in der Werbung insbesondere die sportlichen Qualitäten der Limousine herausstreicht: Der IS ist in der Hybridversion ein ruhiges Auto, mit dem man es am besten auch ruhig angehen lässt – trotz der nominell üppigen 164 kW/223 PS Systemleistung.

Drinnen Weitersäuseln

Dass der edlen Toyota-Tochter in Sachen Komfort und Lärmdämmung kaum einer etwas vormacht, ist spätestens seit den größeren Limousinen GS und LS bekannt. Und auch der 4,70 Meter lange IS schließt die akustischen Zumutungen der Außenwelt wirkungsvoll aus. Hat man die schweren Türen geschlossen, hört man erst einmal: nichts. Das ändert sich auch bei dem Druck auf den Startknopf nicht, denn dienstbereit meldet sich dann zunächst nur der Elektromotor (105 kW/143 PS). Und übernimmt dann auch auf den ersten Zentimetern die alleinige Beförderungsarbeit.

© Lexus
Die Verarbeitung ist erstklassig

Selbst wenn sich sanft der Vierzylinder-Verbrenner (133 kW/181 PS) zuschaltet, kann man an Bord weiterhin im Flüsterton parlieren. So lässt es sich auch weitersäuseln, bis Autobahnreisetempo erreicht ist. Vorausgesetzt allerdings, man geht gefühlvoll mit dem Gaspedal um, denn bei höherer Leistungsanforderung gibt es dann doch etwas auf die Ohren. Weiterhin nicht besonders laut, allerdings auch nicht besonders wohltönend. Denn wie seine Konzerngeschwister leidet der IS unter dem Gummibandeffekt des stufenlosen Getriebes: Die akustisch transportierte Drehzahl bleibt immer gleich, während die Tachonadel weiter steigt. Ergebnis ist ein angestrengt wirkendes Röhren, das auch der elektronische Soundmodulator nicht zu einem Wohlklang transformieren kann. Gegenüber früheren Modellen von Lexus oder Toyota ist der Störsound aber weiter in den Hintergrund gerückt.

Relativ geringer Verbrauch

Geschenkt, denn ein Auto zum Schnellfahren ist der Lexus eh nicht. Das liegt nicht nur am angestrengten Sound, sondern auch an der elektronisch auf 200 km/h abgeregelten Höchstgeschwindigkeit (sogar einige Varianten des Kleinwagens VW Polo sind schneller). Im Alltag mag das ausreichen, für eine teure Premiumlimousine, die im Konzert von Audi A4, BMW 3er und Mercedes C-Klasse mitspielen will, klingt das einfach nicht angemessen.

© Lexus
Die Preise starten bei 36.700 Euro

Trösten kann man sich mit dem relativ geringen Verbrauch. Sechs bis sieben Liter genehmigte sich der Japaner im Schnitt – für einen Nicht-Diesel dieser Größe und Komfortklasse ein ordentlicher Wert, auch, wenn er mit zurückhaltender Fahrweise erkauft ist. Fahrwerksseitig könnte der Lexus übrigens deutlich schneller: Hinterradantrieb, ausgeglichene Gewichtsverteilung und direkte Lenkung stellen in der Ausstattungslinie „F-Sport“ weit mehr dynamisches Potenzial zur Verfügung, als man mit dem Antrieb ausnutzen mag. Selbst im per Stellrädchen wählbaren Sportprogramm wird der Lexus nicht annähernd zum Sportwagen – ist dann aber trotzdem kein Spritsparer mehr. Genau wie der Lautstärke-Regler des Radios dürfte also auch das Fahrmodi-Rädchen in zehn Jahren noch als fabrikneu durchgehen.

Rolle des Exoten

Trotzdem bleibt auch dem neuen IS in Deutschland wohl nur die Rolle des Exoten. Mit einem Basispreis von 36.700 Euro liegt die Hybridlimousine beispielsweise auf dem Niveau eines ordentlich ausgestatteten BMW 320d, der trotz weniger PS bessere Fahrleistungen bietet und zumindest im Autobahnverkehr noch einmal sparsamer ist als der Japaner. Und vor überzogener Lärmbelastung muss man auch in dem Münchner keine Angst haben.

© Lexus
Auch das Heck ist ausdrucksstark

Wer jedoch wirklich empfindliche Ohren hat, wählt besser den Lexus. Wie angenehm dessen sanfte Akustik war, zeigte sich, wie so oft, erst hinterher. Der Nachfolge-Testwagen – zugegeben eine Klasse kleiner und mehr als zehntausend Euro günstiger – sorgte morgens regelmäßig für Hörstürze. Dann nämlich, wenn man vergessen hatte, die Radio-Lautstärke nach der abendlichen Autobahntour wieder herunter zu drehen.

Technische Daten – Lexus IS 300h F-Sport:

Viertürige, fünfsitzige Limousine der Mittelklasse; Länge: 4,67 Meter, Breite: 1,81 Meter (mit Außenspiegeln: 2,03 Meter), Höhe: 1,43 Meter, Radstand: 2,80 Meter, Kofferraumvolumen: 450 Liter

Hybridantrieb: 2,5-Liter-Vierzylinder-Benzinmotor (133 kW/181 PS) + Elektromotor (105 kW/143 PS) Elektromotor, Leistung Gesamtsystem: 164 kW/223 PS, maximales Drehmoment: 221 Nm (Benziner) + 300 Nm (Elektro), 0-100 km/h: 8,3 s, Vmax: 200 km/h, Durchschnittsverbrauch je 100 Kilometer: 4,3 Liter, CO2-Ausstoß: 99 g/km, Testverbrauch: 6,5 Liter, Effizienzklasse: A+, Preis: ab 36.700 Euro.Kurzcharakteristik – Lexus IS 300h F-Sport:
Alternative zu: den Mittelklasse-Dieseln der deutschen Hersteller, BMW Active Hybrid3, Kia Optima Hybrid
Passt zu: Menschen mit empfindlichen Ohren
Sieht gut aus: Geschmackssache – zumindest hat er ein Charaktergesicht

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