Panorama: Der größte Sportwagenhändler der Welt
Das PS Märchenland

6. Dezember 2013 | kommentieren
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Für große Jungs ist er der Spielwarenhändler schlechthin. Niemand sonst auf der Welt verkauft so viele Supersportwagen wie Abdulla Alkidbi. Fünf Showrooms und über 250 Lagerfahrzeuge vom Ferrari F12 bis zum Pagani Huayra machen den Araber zum größten PS-Dealer der Welt. Seine Zentrale ist in Dubai. Wo sonst?

Eigentlich wollte er nur ein paar Freunden einen Gefallen tun. Denn je mehr Sportwagen Abdulla Alkidbi in seiner Garage hatte, desto neugieriger wurden die Kumpel des Arabers. „Kannst Du mir den auch besorgen?“, „Bestell mir gleich einen mit“, „Den will ich haben“ – das waren die Sprüche, die er sich damals anhören durfte. Und weil Alkidbi viele Freunde hat und Geld hier am Golf in gewissen Kreisen keine Rolle spielt, kam eines zum anderen: Vom leidenschaftlichen Autosammler wurde der heute 40jährige peu a peu zum Autohändler.

Allerdings handelt der Araber nicht mit gewöhnlichen Gebrauchten. Weil für ihn ein richtiges Auto mindestens acht, besser zwölf Zylinder hat, 500 PS die Untergrenze markieren und 300 km/h das mindeste sind, verkauft er in den fünf Showrooms von „Alain Class Motors“ in Dubai und den anderen Emiraten ausschließlich Supersportwagen und nennt schon einem Mercedes S 63 ein billiges Alltagsauto. Das klingt ein wenig abgehoben, und wahrscheinlich ist es mit seiner Bodenhaftung tatsächlich nicht sonderlich weit her. Doch wenn rund um den Schreibtisch die edelsten PS-Pretiosen aus Maranello, Zuffenhausen, St. Agatha, Molsheim  oder Woking  stehen, kann das schon mal passieren. Erst recht, wenn man davon mehr Exemplare auf Lager hat als jeder andere und sich deshalb – wahrscheinlich sogar mit Fug und Recht – als größter Sportwagenhändler der Welt feiern lässt.

© Benjamin Bessinger/SP-X
Allein hier in Dubai stehen vier Mercedes SLR, ein Bugatti, eine Handvoll Ferrari, dazu das gesamte Portfolio von Lamborghini und die komplette Palette von Rolls-Royce auf dem dunklen Teppich im Glaspalast an der Sheik-Zayhed-Road.


Allein hier in Dubai stehen vier Mercedes SLR, ein Bugatti, eine Handvoll Ferrari, dazu das gesamte Portfolio von Lamborghini und die komplette Palette von Rolls-Royce auf dem dunklen Teppich im Glaspalast an der Sheik-Zayhed-Road. Und das ist nur eine von fünf Filialen, die der 40jährige in den Arabischen Emiraten betreibt –  das Exportgeschäft mit China und Hongkong, den Philippinen und den Exil-Emiratis in Europa noch gar nicht mitgerechnet. „Wir haben ständig eine Auswahl von 250 Fahrzeugen im Katalog“, sagt Alkidbi und spannt den Bogen von so profanen Alltagsautos wie einem Bentley Continental am unteren Ende der Preisliste bis zum Ferrari FF, dem Lamborghini Aventador oder dem Bentley Mulsanne am anderen Ende.

Natürlich gibt es diese Traumwagen gerade am Golf auch alle beim offiziellen Händler. Denn nirgends ist die Dichte an Luxusautos so groß wie in Dubai und Abu Dhabi, so dass Ferrari, Lamborghini, McLaren oder Maserati hier alle ihre eigenen Showrooms haben. „Doch dort kann man immer nur die Autos einer Marke sehen“, sagt der Wagenmeister der Ölscheichs. „Bei uns dagegen kann man sie alle vergleichen“, prahlt Alkidbi und lässt den Blick über mindestens drei Dutzend PS-Pretiosen in seinem Motor-Märchenland schweifen. „Außerdem kommen wir mit unserer langjährigen Erfahrung und unseren guten Verbindungen oft schneller an die Fahrzeuge als die offiziellen Händler“, ergänzt Chefverkäufer Imran Ali Kahn: „Es gibt eigentlich nichts, was wir nicht besorgen könnten. Wenn’s sein muss, beinahe über Nacht.“

Wie genau er das anstellt, will Alkidbi lieber nicht verraten, und dass die Fahrgestellnummern in den Fensterscheiben seiner Ausstellungsstücke alle abgeklebt sind, kommentiert er nur mit einem Schulterzucken. Doch so viel lässt er sich dann doch entlocken: „Wir haben überall auf der Welt unser Leute, die ständig den Markt scannen. Sobald irgendwo ein interessantes Auto auftaucht, schlagen wir zu. Und wenig Tage später steht es bei uns im Showroom.“ Kein Wunder, dass er mittlerweile lange Wunschzettel seiner über 1.000 Kunden hat, die er jetzt peu a peu abarbeitet. Ganz oben stehen darauf im Augenblick der McLaren P1 und der LaFerrari: „Von beiden könnte ich auf der Stelle sicher ein Dutzend verkaufen. Doch an diese Autos komme selbst ich im Augenblick noch nicht heran“, muss der größte Sportwagenhändler der Welt einräumen.

© Benjamin Bessinger/SP-X
„Wir haben ständig eine Auswahl von 250 Fahrzeugen im Katalog“, sagt Alkidbi und spannt den Bogen von so profanen Alltagsautos wie einem Bentley Continental am unteren Ende der Preisliste.


Aber genau solche Wunschzettel waren es auch, die ihn in vor etwa 20 Jahren in seinen Job getrieben haben. Denn eigentlich hat Alkidbi mit dem Autohandel nichts zu tun. „die ersten paar Dutzend Sportwagen, Offroader und Luxuslimousinen habe ich nur für mich selbst gekauft“, erinnert sich der Araber, der noch immer eine stattliche Fahrzeugsammlung besitzt und gerade sein Herz für Oldtimer entdeckt. „35 bis 40 Autos werden es schon sein, so genau weiß ich das gar nicht“, sagt Alkidbi und schaut ganz verklärt nach dem Ford GT am anderen Ende der Halle. „Sold“ steht auf dem Zettel unter der Frontscheibe, obwohl das nicht so ganz richtig ist. Denn irgendwann hat sich der Araber so sehr in den Retro-Klassiker verguckt, dass er ihn jetzt einfach in die eigene Garage stellt. Dort kommt er in gute Gesellschaft: Zwar ist Alkidbi heute mit einem fast schon bescheidenen Porsche Cayenne Turbo ins Büro gekommen, weil das für ihn einfach das perfekte Stadtauto in den Emiraten ist. Aber sonst nimmt er gerne auch mal einen Phantom oder einen Gallardo. An Auswahl herrscht in seiner Garage schließlich kein Mangel.

Diese Garage war auch der Grundstein seines PS-Imperiums. Schritt für Schritt hat es ihn so in die Geschäftswelt gezogen und was mit ein paar Freundschaftsdiensten begonnen hat, wurde über die Jahre zum größten Sportwagenhändler der Welt: „Hier bei uns in den Emiraten gibt es einfach zu viele PS-Fanatiker“, klagt Alkidbi lachend: „Da werden selbst erwachsene Männer wieder zu kleinen Jungs.“ Und er macht liebend gerne ihren Spielzeughändler.

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