Panorama: Mini All4 Racing
Mini Schneepflug

3. Januar 2014 | kommentieren
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Sein angestammtes Revier ist der Dschungel der Großstadt. Doch als Dakar-Rennwagen macht der Mini Countryman seinem Namen endlich alle Ehre – und zählt zu den Seriensiegern bei der härtesten Langstrecken-Rallye der Welt. Kurz bevor der König der Wüste sein Reich beim 2014er Durchlauf in Argentinien, Chile und Peru verteidigt, waren wir damit auf eher ungewöhnlichem Terrain unterwegs und haben einen Schneewalzer gewagt.

Eigentlich hat Nani Roma mit Eis und Schnee kein Problem. Schließlich ist der Spanier ein leidenschaftlicher Skifahrer und kommt auf zwei Brettern so ziemlich jeden Berg runter. Doch wenn er vier Räder unter dem Hintern hat, dann mag er es lieber heiß und staubig. Denn Roma ist Rallye-Profi, Veteran bei der Dakar und ab diesem Wochenende mit seinem Mini Countryman auf der Mission Titelverteidigung. Zwei Mal in Folge hat der englische Kleinwagen schon die härteste Langstrecken-Rallye der Welt gewonnen. Und es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn nicht einer der elf Fahrer des deutschen Team X-Raid mit seinem kleinen Engländer nach zwei Wochen und fast 10.000 Kilometern als erster durchs Ziel fährt. Nachdem es die ersten beiden Male der Franzose Stéphane Peterhansel war, könnte es diesmal durchaus der Spanier werden – wenn er vorher heil aus dem Schnee heraus kommt und sich in der Kälte nicht noch einen Schnupfen einfängt.

© Mini
Als Dakar-Rennwagen macht der Mini Countryman seinem Namen endlich alle Ehre


Für den  Hattrick bei der Dakar hat das von Milliardärserbe Sven Quandt geführte und von BMW tatkräftig unterstützte Team X-Raid einen Rennwagen aufgebaut, der zwar dem Namen nach ein Countryman ist, tatsächlich aber mit dem Serienauto nichts mehr gemein hat. „Bis auf das Logo im Kühlergrill, die Türscharniere, die Scheinwerfer und die Gummidichtungen“, schickt einer die Techniker einem Grinsen hinterher.

Während die Rennwagen – jeder etwa 800.000 Euro teuer und binnen drei Wochen bei X-Raid in Trebur Handarbeit montiert – samt einem Dutzend Begleitfahrzeugen, 50 Tonnen Material, 600 Ersatzreifen und einem Tross von 120 Mann schon zum Start nach Argentinien geflogen wurden, hat Mini jetzt zu einer Testfahrt mit dem nahezu baugleichen Vorjahresauto geladen. Nur eben nicht im Wüstensand, sondern auf einem für den Dakar-Mini und für seinen Fahrer eher ungewöhnlichen Untergrund, so dass Roma und der Countryman jetzt den Schneewalzer tanzen.

© Mini
Über 700 Nm prügeln reglementbedingt auf 1,9 Tonnen aufgelasteten Mini voran und machen jede Bodenwelle zur Sprungkuppe.


„Auf diesem Untergrund haben wir kaum Traktion“, klagt der Spanier. Obwohl die 245er-Reifen ordentliche Stollen und mächtige Spikes haben und der Countryman All4 Racing natürlich mit permanentem Allradantrieb fährt, muss der Wüstenkrieger ziemlich wühlen, bis er einmal in Fahrt kommt. 100, 120 Sachen – mehr sind auf dem engen Feldweg mit den tiefen Furchen und dem losen Schnee nicht drin. Die 180 km/h, die Roma auf freier Strecke und festem Untergrund fahren kann, schafft er hier jedenfalls nicht.

Doch für Rallye-Novizen ist das, was der PS-Profi den Schongang nennt, schon mehr als schnell genug. Unter der Haube einen 3,0 Liter großen Diesel mit guten 300 PS und in den Ohren das Brüllen eines Auspuffs, der direkt unter dem Beifahrer ins Freie tritt, stürmt der Mini los, als gäbe es kein Morgen mehr. Wo das Serienmodell den Lifestyle-Flitzer gibt und meist nur durch den Dschungel der Großstadt tigert, suhlt sich der Rennwagen in Schnee und Schlamm wie ein Wildschwein im winterlichen Tierpark. Über 700 Nm prügeln reglementbedingt auf 1,9 Tonnen aufgelasteten Mini voran und machen jede Bodenwelle zur Sprungkuppe. Während er die Gänge mit dem langen Schaltknauf auf dem breiten Mitteltunnel förmlich ins sequentielle Getriebe prügelt, fliegt Roma auf dem Kurs deshalb mehr, als dass er fährt. Mit den drei einzeln stellbaren Differentialen und dem riesigen Hebel für die Handbremse lässt er seinen Countryman Wedeln wie ein Slalom-As. Und je länger die Tour geht, desto mehr freut man sich, dass einen die Mechaniker mit Hosenträger-Gurten in den schraubstockengen Schalensitz gezurrt und auf den Helm bestanden haben. Sonst hätte man jetzt nicht nur eine blasse Nasenspitze, sondern auch ein paar Quadratmeter blaue Flecken. Und der Kopf wäre verbeult wie ein altersschwacher Kochtopf, so wie er bei dieser Zitterpartie im Überrollkäfig herumkugelt.

© Mini
Wo andere Rennwagen nicht viel mehr Anzeigen haben als den Drehzahlmesser, erinnert sein Arbeitsplatz an das Cockpit eines Airbus-Piloten


Während der Passagier auf dem Sozius seine liebe Mühe hat, den Kopf irgendwie gerade zu halten und den Blick auf den Horizont zu richten und nicht im Traum daran denken mag, jetzt auch noch aus dem Roadbook vorzulesen, sitzt Roma nebenan, hat ein freundliches Lachen im Gesicht, spricht aufmunternd ins Helmmikrofon und kontrolliert konzentriert seine Instrumente. Wo andere Rennwagen nicht viel mehr Anzeigen haben als den Drehzahlmesser, erinnert sein Arbeitsplatz an das Cockpit eines Airbus-Piloten: Jeden Druck und jede Temperatur kann er einzeln kontrollieren, kann den Wagen bei einer Panne auf Knopfdruck aufbocken oder absenken, hat einen Tempomat für die Stadtstrecken und zwei Dutzend Schalter auf dem Mitteltunnel, über deren Funktionen er jetzt lieber nicht referieren möchte. Dummerweise sieht es vor dem Beifahrersitz genauso aus: Bordcomputer, Werkstreckenzähler, elektronisches Road-Book – wer hier im Rennen Platz nimmt, der hat einen Fulltime-Job. Nur gut, dass Roma den Weg auf der Teststrecke alleine findet. Denn diesmal zumindest hat sein Beifahrer mit sich selbst genug zu tun.

Nach drei, vier Runden über den Winterweg hat sich Roma mit dem für seinen Mini doch etwas ungewöhnlichen Untergrund angefreundet. Je länger er fährt, desto früher startet er den Drift, mit dem er den Boliden um die Kurven zwingt, er taucht tiefer in die Schlaglöcher ein, hebt auf den Sprungkuppen leichter ab und setzt viel später zur Landung an. Die 25 Zentimeter Federweg hat das Spezialfahrwerk schließlich nicht umsonst. Am meisten Spaß hat der Spanier aber auf dem ebenen und dafür tief verschneiten Parkplatz, wo er zum Ende der Testfahrt noch zwei Dutzend Pirouetten dreht. Während dem Beifahrer so langsam die allerletzte Farbe aus dem Gesicht weicht, wird sein Grinsen immer breiter. Wann sonst kann ein Wüstenkönig schon mal den Schneewalzer tanzen? Und selbst wenn der Countryman keine Heizung hat – kalt ist Roma nach diesem Ritt auch nicht mehr.

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