Paul-Pietsch-Classic 2014
Opel-Chef mit Sieg

9. Juni 2014 | kommentieren
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Nur noch der Himmel ist die Grenze. Vor der Motorhaube ein himmelblaues Meer. Dann senkt sich die Nase und gibt den Blick frei auf eine Landschaft wie gemalt für eine Modelleisenbahn. Schmale Täler, kleine Orte und Weinberge soweit das Auge reicht. Am Horizont öffnet sich das Panorama in die Rheinebene hinein.

Die Region rund um den Kaiserstuhl lediglich als die wärmste Ecke des Landes zu beschreiben, wird ihr nicht gerecht. Sie ist auch eine der schönsten Landstriche Deutschlands. „Arbeiten in Schwaben, Leben in Baden“, daran hat sich Paul Pietsch sein 101 Jahre langes Leben gehalten. Vor dem zweiten Weltkrieg erfolgreicher Rennfahrer legte er 1946 den Grundstein als späterer Verleger der Motorpresse Stuttgart und Begründer des modernen Motorjournalismus. Pietsch sorgte dafür, dass seine Familie im Schwarzwald wohnte, während er sich unter der Woche in Stuttgart für den Verlag einsetzte. Seinem Andenken zu Ehren fuhren am Wochenende über 100 Klassiker der Automobilgeschichte durch den Kaiserstuhl und den Schwarzwald – darunter einige Exemplare, die viele der zahlreichen Zuschauer an der Strecke noch nie in ihrem Leben gesehen haben dürften.

© Volkswagen
Pauls-Pietsch-Classic: Mario Ketterer steuert den Beutler Porsche durch seine Heimat.


Die Autostadt von Volkswagen aus Wolfsburg hatte die Schatzkammern ihres Zeithauses geöffnet und ist als Hauptpartner der Paul-Pietsch-Classic mit einem neun Fahrzeuge starken Team nach Offenburg gekommen. Darunter echte Raritäten wie den 1956 Ghia Aigle Coupé und den Beutler Porsche 696 Spezial aus dem Jahre 1957. Wie in der Vorkriegszeit üblich, setzten die Schweizer Karosseriebauer Beutler auch in den ersten Jahrzehnten nach 1945 auf eine Volkswagen-Bodengruppe eine eigene Aluminium-Karosserie. Mit Aufpreis waren sogar ein Porsche-356-Motor und -Bremsanlage möglich. So entstanden in den Jahren 1957 und 1958 lediglich fünf Exemplare dieses eleganten viersitzigen Coupés. Nur noch eines davon ist fahrbereit und so wurde „Lokalmatador“ und ehemaliger Bergrennfahrer Mario Ketterer weder müde die Geschichte des Autos zu erklären, noch den Beutler in den Tälern und auf den Höhen auszufahren.

© Volkswagen
Paul-Pietsch-Classic: Christian Geistdörfer (l.) und Walter Röhrl.


Das tat auch Rallye-Legende Walter Röhrl, der in diesem Jahr sein Debüt auf der Paul-Pietsch-Classic gab. An seiner Seite sein ebenso berühmter langjähriger Co-Pilot Christian Geistdörfer. Gemeinsam ließen sie im Team der Autostadt die Zeiten ihrer aktiven Motorsportlaufbahn aufleben. Nicht in einem Opel Ascona 400, dem Fahrzeug mit dem Röhrl seinen zweiten Rallyeweltmeister-Titel erlangte, sondern in einem 1973er Porsche 911 Carrera RS 2,7. 210 PS aus sechs Zylindern beschleunigten den neon-gelben Renner auf den schmalen Straßen durch die Weinberge des Kaiserstuhls und die dunklen Wälder des Schwarzwaldes. „Wir erleben hier herrliche Strecken“, schwärmt Röhrl nach dem ersten Tag. Bis das Rennfahrerblut wieder durchkommt: „Nur die zu langsamen Ortsdurchfahrten sind ein Problem“, so Röhrl mit einem Lachen im Gesicht.

© Opel
Paul-Pietsch-Classic 2014: Hanns Werner Wirth (links) und Dr. Karl-Thomas Neumann holten sich den Klassen- und den Gesamtsieg.


Keine Probleme mit den Rallye-Prüfungen hatte das Team Opel Classic. Mit den „großen Drei“ waren die Rüsselsheimer an den Schwarzwald gekommen. Kapitän, Admiral und Diplomat wagten sich für Opel von 1964 bis 1977 in die automobile Oberklasse vor. Nicht nur die Namensgebung spiegelte das Standesbewusstsein der Rüsselsheimer wider, sondern auch das amerikanisch beeinflusste Design und die starken Sechs- und Acht-Zylinder-Motoren sind klare Statements. Und was für welche. Am Steuer eines Admiral A mit V8-Motor von 1965, lediglich 622 Exemplare wurden bis 1968 bei Opel produziert, gewannen Opel-Vorstandsvorsitzender Karl-Thomas Neumann und der Vorjahreszweitplatzierte Hanns-Werner Wirth die dritte Auflage der Paul-Pietsch-Gedächtnisveranstaltung.

Erfolgreiche Raritäten sieht auch Otto Ferdinand Wachs, Geschäftsführer der Autostadt, gerne: „Klassische Automobile sind keine Standuhren. Da gehört es dazu, dass auch Modelle bewegt werden, von denen nur noch ein Exemplar auf der Welt vorhanden ist. Das sind wir ihren genialen Konstrukteuren schuldig.“ (ampnet/av)

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