Stuntman trotzt den Elementen: Weltrekordflug zwischen Himmel und Erde

22. Juni 2011 | kommentieren

Seit einigen Monaten kursiert ein fast unglaubliches Video im Internet. Zu sehen ist ein Geländewagen, der rückwärts auf eine 30 Meter hohe Rampe gezogen wird. Als das Auto losrollt und langsam die ersten Zentimeter der Rampe ertastet, endet das Video. Offen bleibt ob es sich um echtes Material oder einen gut gemachten Werbegag handelt. Die Aufklärung sollte zum Finale der Indy 500 in Indianapolis folgen.

Larger than life? – Kleiner Wagen im großen Zirkus

Wer kennt sie nicht, die Hot Wheels Miniaturrennwagen, die pfeilschnell über kleine Rampen schießen und manchmal auch darüber hinaus. Aber geht so etwas auch im Maßstab 1:1, mit einem echten Wagen, einem Fahrer aus Fleisch und Blut und vor den Augen Tausender Zuschauer? Ist es möglich mit einem Auto über 100 Meter weit durch die Luft zu fliegen und danach wieder sicher zu landen? Genau das wollte ein Spielzeughersteller aus Kalifornien mit seinem Team Hot Wheels beweisen. Dahinter verbirgt sich eine anonyme Gruppe bekannter Renn- und Stuntfahrer, die ganz im Sinne der Marke in verschiedenen waghalsigen Stunteinlagen Kopf und Kragen riskieren. In einer großangelegten Werbekampagne, zu dem auch das genannte Video gehört, sollte per öffentlicher Abstimmung einer von ihnen als Fahrer für den Rekordversuch ermittelt werden. Es standen vier Kandidaten zur Wahl, von denen im Vorfeld verschiedene Stunts aufgezeichnet und die Videos anschließend ins Netz gestellt wurden. Alle Fahrer waren anonym und konnten von den Zuschauern nur anhand der Bewerbungsvideos bewertet werden.

Flieg nicht zu hoch – der Versuch auf der Kippe

Dem Stunt selbst gingen 12 Monate akribischer Vorbereitung voraus. Allein für die Konstruktion der 4000 Tonnen schweren Stahlrampe benötigte das fast 100 köpfige Team etwa vier Monate. Weitere acht Monate wurden verschiedene Tests mit dem eigens für den Versuch angefertigten Prototypen durchgeführt. Neben physikalischen und technischen Herausforderungen hatte das Team auch mit anderen ganz natürlichen Einflussfaktoren zu kämpfen. Der Wind beispielsweise stellt bei einer Flugstrecke von 100 Metern ein erhebliches Problem dar. Der Testwagen lief Gefahr sich vor der Landung zu überschlagen.

Auch die Anforderungen an den “Piloten” sind bei so einem Versuch enorm. Beim Start in die Rampe muss der Fahrer sehr vorsichtig anfahren. Ein paar Kilometer zu schnell und er läuft Gefahr mit den Hinterrädern in der Luft zu hängen. Ohne Traktion auf der hinteren Achse könnte das Fahrzeug unkontrolliert ins Schlingern geraten. Am unteren Scheitelpunkt der Rampe muss das Auto eine Geschwindigkeit von mindestens 115 km/h erreicht haben. Danach hat der Fahrer knapp 200 Meter um den Wagen möglichst exakt auf 175 km/h zu beschleunigen. Nur mit diesem Tempo ist sicher gestellt, dass die immerhin gut 90 Meter breite Lücke zwischen den beiden Rampen übersprungen werden kann.

Get your drift on! – Das große Finale

Zum Finale der Indi 500 in Indianapolis wurde die Rampe im Innenraum des legendären Indianapolis Motor Speedway aufgebaut. Wie schon im Trailer-Video wurde das Auto rückwärts die Rampe heraufgezogen. Der Fahrer saß zu diesem Zeitpunkt bereits im Wagen und hatte ein verspiegeltes Visier. Es konnte also immer noch niemand sehen, wer das Fahrzeug steuert. Als der Wagen langsam in die Rampe rollte, stockte den 400.000 Zuschauern am Race Court kurz der Atem, bevor sie die Schussfahrt und den anschließenden Flug frenetisch bejubelten. Nie zuvor wurde mit einem Auto eine solche Strecke überflogen. Als der Wagen nach 101 Meter sicher landet, ist der bisherige Rekord um mehr als 11 Meter überboten. Ein schöner Beweis dafür was die Verbindung von Mensch und Maschine im Stande ist zu leisten.



Der Fahrer

Eine Frage blieb bis zuletzt ungeklärt, die nach dem waghalsigen Piloten? Nach dem erfolgreichen Versuch, wurde das Geheimnis endlich gelüftet. Es handelte sich um den in den USA gefeierten Profi Stuntman Tanner Foust, der bereits in Filmen wie Fast & Furious und das Bourne Ultimatum sein Können unter Beweis stellte.

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