Fahrbericht: Toyota Auris
Schluss mit unauffällig

5. Dezember 2012 | Ein Kommentar

Es gibt Kompaktklasse-Fahrzeuge, die kommen möglichst schlicht daher und wollen um keinen Preis auffallen. Meist werden diese Fahrzeuge auch bei Modellwechseln nur ganz behutsam angefasst, um das Stammklientel nicht zu vergraulen. VW Golf und Audi A3 sind hier nur zwei ganz besonders prominente Beispiele. Toyota geht einen anderen Weg: Der neue, ab 15.950 Euro erhältliche Auris hat optisch nichts mehr mit seinem Vorgänger gemein. Die Front wirkt mit den schneidigen Scheinwerfern sogar fast schon progressiv; die konturierte Seitenlinie samt hoch angesetzter Sicke mutet unkonventionell aber gelungen an. Der Auris zeigt sich kantig und erinnert ein wenig an den neuen Seat Leon. Emotionales Design für eine japanische Kompaktklasse? Das ist wirklich neu.

Und es ist bitter nötig, denn in Sachen Design hatte Toyota Nachholbedarf. Dagegen geht es unter dem Blech eher evolutionär zu, auch wenn Bruno Reinke, Director Vehicle Performance bei Toyota, noch so von den verbesserten Fahreigenschaften schwärmt. Klar, die Entwickler haben den Auris um 5,5 Zentimeter tiefergelegt, was den Schwerpunkt natürlich in Richtung sportlich verschiebt. Und der Akku (im Falle der Hybridversion) ist nun unter die Rücksitze gewandert, so dass man den Kofferraum ohne Einschränkungen nutzen kann.

Ansonsten aber gibt es keine nennenswerten Änderungen an den Antriebssträngen, was indes kein Fehler sein muss. Mit den 100 kW/136 PS der aus E-Motor sowie Verbrenner kombinierten Hybrideinheit kommt man zum Beispiel wunderbar klar – damit ist der Fronttriebler nicht aufregend motorisiert, aber für alle Situationen gewappnet. Aufregend ist das Fahrwerk kaum und statt drahtiger Botschaften sendet die elektrische Servolenkung eher Rückmeldungen der extrem leichtgängigen Art.

Den Verbrauch konnte man allerdings um 13 Prozent auf nun 3,8 l (87 g CO2) reduzieren, wozu auch das leicht verringerte Wagengewicht beiträgt – ein besserer Materialmix macht es möglich. Beim leistungsverzweigten Hybridsystem selbst gibt es keine Neuerungen – die komplexe Anlage mit Planetengetriebe ähnelt von der Charakteristik einer CVT-Lösung und nervt zuweilen, wenn der Benziner bei voller Kraft voraus vor dem Drehzahlbegrenzer verharrt. Andererseits gibt es keine Schaltrucke bei moderater Fortbewegung.

Wer den konventionellen Antrieb bevorzugt, kann zwischen zwei Dieseln und zwei Benzinern wählen, die zwischen 66 kW/90 PS und 97 kW/132 PS leisten. Den 1,4-Liter-Selbstzünder mit 90 PS gibt es bereits ab 17.990 Euro. Wer aber noch Klimaanlage und Radio möchte, muss weitere 2.000 Euro in die Cool-Edition investieren.

Ach ja, mit Assistenzsystemen wie Spurwechsel-Alarm oder Müdigkeitswarner verschont der Auris seine Kunden – laut Importeur ist die Nachfrage in dieser Kategorie zu gering, als dass eine Offerte sinnvoll wäre. Automatisch einparken kann die Limousine künftig aber schon, in der mindestens 20.150 Euro teuren Start-Edition ist der Parkprofi enthalten. Und wer 22.500 Euro für die Executive-Version ausgibt, findet zusätzlichen Komfort wie ein schlüsselloses Schließsystem, Sitzheizung und Tempomat. Relativ moderate Aufpreise erfordern inzwischen nur noch das Bildschirm-Navi (550 Euro) und Xenonscheinwerfer inklusive Aufblendautomatik und Kurvenlicht (ab 750 Euro).

Wie steht es um den Wohlfühlfaktor an Bord? Auch hier ist der Sinneswandel in der Architektur nicht zu übersehen: Zackige Linien und geschwungene Elemente verleihen der Fahrstube einen Hauch Futurismus – ohne überkandidelt zu wirken. Eher im Gegenteil: Die Materialanmutung gibt sich profan und sogar ein wenig trist, in diesem Punkt könnte Toyota noch zulegen. Da hilft das optional mit Leder überzogene Armaturenbrett kaum weiter. Auch in Sachen Ablagen hat man schon besser bestückte Fahrzeuge gesehen; immerhin bietet der Auris eine Box in der Armlehne sowie Cupholder. Keinen Anlass zur Klage dagegen gibt das Raumangebot. Auch der Fond offeriert zumindest zwei angenehme Plätzchen – die Sitze sind durchweg kommod, und zwischen Kissen sowie den vorderen Lehnen genügt der Abstand selbst langbeinigen Personen. Auf Wunsch (1.600 Euro) spendet ein großzügiges Panoramadach jede Menge Licht. Was möchte man mehr? Vielleicht einen Kombi? Auch der ist bereits angekündigt.

Toyota Auris – Technische Daten:
Fünftürige, fünfsitzige Limousine der Kompaktwagenklasse, Länge: 4,28 Meter, Breite: 1,76 Meter, Höhe: 1,46 Meter, Radstand: 2,60 Meter
Hybrid: 1,8-Liter-Benzinmotor + Elektromotor, Systemleistung: 100 kW/136 PS, maximales Drehmoment (Benziner): 142 Nm bei 4.000 U/min, Vmax 180 km/h, 0-100 km/h in 10,9 s, Durchschnittsverbrauch: 3,8 l/100 km, CO2-Ausstoß: 87 g/km
Preis: ab 23.250 Euro
1,4-Liter-Benziner, 73 kW/99 PS, maximales Drehmoment: 128 Nm bei 3.800 U/min, Vmax: 175 km/h, 0-100 km/h: 12,6 s, Durchschnittsverbrauch: 5,4 l/100 km, CO2-Ausstoß: 125 g/km
Preis ab: 15.950 Euro
1,6-l-Vierzylinder-Benziner, 97 kW/132 PS, maximales Drehmoment: 160 Nm bei 4.400 U/min, Vmax 200 km/h, 0-100 km/h in 10 s, Durchschnittsverbrauch: 5,9 l/100 km, CO2-Ausstoß: 138 g/km
Preis ab: 19.950 Euro
1,4-l-Vierzylinder-Diesel, 66 kW/90 PS, maximales Drehmoment: 205 Nm bei 1.800 bis 2.800 U/min, Vmax 180 km/h, 0-100 km/h in 12,5 s, Durchschnittsverbrauch: 4,2 l/100 km, CO2-Ausstoß: 109 g/km
Preise: ab 17.900 Euro
2,0-l-Vierzylinder-Diesel, 91 kW/124 PS, maximales Drehmoment: 310 Nm bei 1.600 bis 2.400 U/min, Vmax 200 km/h, 0-100 km/h in 10 s, Durchschnittsverbrauch: 4,3 l/100 km, CO2-Ausstoß: 112 g/km
Preis: ab 23.450 Euro

Toyota Auris – Kurzcharakteristik:
Alternative zu: VW Golf, Kia Cee’d, Seat Leon, Mazda3, Peugeot 308, Citroen C4
Sieht gut aus: Ja! Endlich!
Passt zu: Kunden mit Anspruch auf Allroundfertigkeiten und Zuverlässigkeit – und auch zu Menschen mit grünem Gewissen (Hybridversion)
Wann kommt er: 19. Januar 2013
Was kommt noch: Kombivariante und innerhalb der nächsten zwei Jahre auch weitere Motoren – aufgeladene Triebwerke aus der BMW-Toyota-Allianz möglich
Patrick Broich/SP-X

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  • Robert schrieb:

    Toyota war schon immer äußerst innovativ! Jetzt haben sie sogar eine neue App herausgebracht, in der man via Google Street View live nachverfolgen kann, wieviel der Prius Plug-in-Hybrid auf eine bestimmte Strecke verbraucht. Die Ergebnisse sind beeindruckend! http://goo.gl/gJXWr

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