Detroit 2013: Chevrolet
Die neue Corvette C7

14. Januar 2013 | kommentieren

Sie ist der Urtyp des amerikanischen Kraftmeiers und einer der meistverkauften Sportwagen der Welt. Kein Wunder, dass ganz Detroit den Atem anhält, wenn Chevrolet eine Corvette präsentiert. Genau nach 60 Jahren durfte sich nun mit der Corvette C7 die neue Generation auf der Motorshow zeigen.

Eine heruntergekommene Fabrikhalle im Herzen von Detroit, brüllend laute Gitarren, gleißend rotes Licht und 1.000 jubelnde Fans – noch bevor die Motorshow in Detroit so richtig angelaufen ist, hat sie ihren ersten Höhepunkt. Denn am Vorabend der Messe hat Chevrolet das vielleicht wichtigste Auto der Saison enthüllt: die neue Corvette C7.

© Chevrolet
Groß und dynamisch: die neue Corvette

Gestärkt aus der Krise

Sie ist nicht nur der Inbegriff des amerikanischen Sportboliden und mit über 1,5 Millionen Exemplaren einer der meistverkauften der Welt. Der Kultklassiker ist auch so etwas wie die Seele des Unternehmens, sagt der amerikanische Chevrolet-Chef Mark Reuss. Die Corvette war es, die Männer wie ihn erst zu General Motors gebracht hat. Und sie war es auch, die das gesamte Team während der Krise bei der Stange gehalten hat. Jetzt, wo die Misere gemeistert ist und General Motors wieder erstarkt, sei es deshalb auch genau die richtige Zeit für eine neue Corvette, die alle Rekorde bricht. Schließlich ist die siebte Generation mit dem internen Kürzel C7 schneller und stärker als je zuvor, verspricht Chefingenieur Tadge Juechter und holt sogar die Umweltbesorgten ins Boot. Denn gleichzeitig sei die neue Corvette auch sparsamer als all ihre Vorgänger. Und moderner ist sie natürlich obendrein.

Von der sechsten Generation hat die Corvette nur zwei nicht näher definierte Bauteile übernommen, ist breiter, flacher und länger geworden. „Aber natürlich haben wir die Corvette so gezeichnet, dass man sie auf Anhieb erkennt“, sagt Designchef Ed Welburn, der aus 300 Entwürfen auswählen musste. Seine Wahl fiel auf einen ausgesprochen modernen Vorschlag, den der Stylingchef „besonders international“ nennt. Vielleicht erinnert die Front mit dem Chromstreifen im Kühler auch deshalb ein bisschen an Ferrari und die Scheinwerfer mit den LED-Leisten für das Tagfahrlicht an Maserati.

© Chevrolet
Das wuchtige Heck mit vier Endrohren

Tradition trifft auf Moderne

Alles andere allerdings ist klassische Muskelware aus Motown: eine flache, stark konturierte Haube mit großer Lufthutze, schlanken Flanken mit markanten Kiemen und ein ausladendes, wuchtiges Heck – so muss ein Sportwagen aus Amerika aussehen. Und der Eingeweihte weiß beim Blick auf die vier in die Mitte gerückten Endrohre, wie laut und leidenschaftlich der Soundtrack zu diesem Roadmovie klingt. Eigentlich ist wirklich alles neu und Chevrolet ist nicht der Retro-Versuchung erlegen. Man findet aber neben den vier fast punktförmigen Rückleuchten als Zitat aus den Sechzigern ein weiteres Detail, das einem bekannt vorkommt: die Silhouette eines Rochens, den die Amerikaner „Stingray“ nennen. Er wurde als Beinamen der besonders gelungenen Corvette-Generationen eingeführt. „Dieses Auto ist so heiß, dass es sich nach über 30 Jahren wieder diesen Ehrentitel verdient hat“, schwärmt Reuss bei der Enthüllung.

Was den Chevrolet-Chef so stolz macht, ist neben dem Design die aufwändige Technik, die mittlerweile in der Corvette eingebaut ist. Sie bekommt nicht nur einen Alurahmen sowie ein Dach und eine Motorhaube, die serienmäßig aus Karbon gefertigt sind. Es gibt auch ein aktives Fahrwerk und einen „Drive-Mode-Selector“ für fünf unterschiedliche Abstimmungen. So können zwölf Fahrzeugsysteme, von der Motorsteuerung bis zum Cockpitbildschirm, je nach Lust und Laune modifiziert werden. Außerdem ist der Motor nagelneu: Die jüngste Generation des „Smallblocks“ hat 6,2 Liter Hubraum und wie eh und je acht Zylinder – allerdings nur bei Vollgas. Denn sobald man den Fuß ein wenig lupft, fährt die Corvette mit Rücksicht auf den noch nicht genannten Verbrauch nur auf vier Töpfen. Der Spaß bleibt beim Sparen aber nicht auf der Strecke, verspricht Juechter. Im Gegenteil: Mit 450 PS, 610 Nm und einer Beschleunigung von 0 auf 100 in weniger als vier Sekunden sei die Corvette schärfer und stärker als je zuvor.

© Chevrolet
Das markante Interieur der C7

Qualität auch im Innern

Die alten Werte bewahren und neue schaffen – nach diesem Motto hat Chevrolet den Generationswechsel auch zur Kurs- und Fehlerkorrektur genutzt. Deshalb ist die Corvette nicht nur internationaler, sondern auch eleganter geworden. Der Innenraum war bis dato eine triste Plastikwüste, die auch eingefleischten Fans bisweilen den Spaß verderben konnte. Nun haben die Amerikaner offenbar ihre Liebe zum Detail entdeckt: Materialien, die toll aussehen und sich gut anfassen, versprechen die Designer und verweisen auf handvernähtes Leder, echtes Aluminium und leibhaftiges Karbon: „Alles, was man sehen und anfassen kann, ist echt“.

Sie ist schneller und stärker, sparsamer und schlauer, eleganter und edler – nur einen Fehler macht Chevrolet bei der Aufwertung offenbar nicht: Am Preis wollen die Amerikaner kaum drehen. Wie viel genau die neue Corvette kosten soll, werde man zwar erst später erfahren, heißt es bei der Enthüllung: „Doch die Corvette war für einen Supersportwagen immer überraschend erschwinglich und soll das auch bleiben.“

Benjamin Bessinger/SP-X

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