Test: Skoda Rapid
Der clevere Spießer

25. April 2013 | kommentieren

Kompakte Stufenheck-Limousine sind in Deutschland nicht gerade der Renner. Der Skoda Rapid kann seinen formalen Nachteil aber auf anderen Gebieten ausgleichen.

Sachlich und nüchtern

Ist das noch clever oder schon spießig? Skoda hat mit dem Rapid eine Kompaktlimousine im Programm, die ein großes Platzangebot zu Kleinwagenpreisen bietet – aber mit ihrem Stufenheck hierzulande nur wenig Freunde diesseits der Pensionsgrenze finden dürfte. Das ist schade, denn auch für junge Familien ist der Tscheche eine interessante Alternative.

© Skoda
Der Tscheche muss gegen Vorurteile zu Stufenhecklimousinen kämpfen

Mit festem Kofferraumabteil wirkt ein knapp 4,50 Meter langen Wagen heutzutage wie geschrumpft, wie Businessklasse für Arme. Der Skoda ist von der vorderen bis zu hinteren Stoßstange gerade einmal so lang wie ein Opel Astra mit Steilheck. Allerdings haben die Designer der Tschechen das Beste aus der Karosseriekonzeption gemacht: Der Rapid ist zwar keine Schönheit, wirkt aber sachlich, nüchtern und aus der richtigen Entfernung und dem passenden Winkel sogar durchaus hochwertig.

Sich einfach bei VW bedient

Die Stufe im Heck tut allerdings nur so, als wäre sie ein Kofferraumdeckel. In Wahrheit schwingt beim Rapid eine große Klappe inklusive Heckscheibe auf und gibt ein großzügiges Gepäckabteil frei. 550 Liter passen dort bei voller Bestuhlung hinein – mehr als in manchen Mittelklasse-Kombi. Zusätzlich können die Lehnen der Rückbank umgeklappt werden, wodurch dann ein wirklich riesiger Stauraum entsteht, der zudem dank niedriger Ladekante und breitem Zuschnitt auch noch leicht zu bestücken ist.

© Skoda
Das Design ist nüchtern, aber nicht reizlos

Um die Kosten zu senken und die Listenpreis möglichst niedrig zu halten, hat sich Skoda beim Rapid aus dem gut gefüllten VW-Konzernlager bedient. Die Vorderachse etwa ist aus fast jedem anderen Skoda-Modell bekannt, die Hinterachse stammt von der des Polo. Und auch die Teile dazwischen sind oder waren schon bei anderen Konzernmodellen im Einsatz. Das muss kein Nachteil sein, haben die Komponenten doch in der Regel Leistungsfähigkeit und Haltbarkeit bereits unter Beweis gestellt.

Ordentlich, aber ohne zu glänzen

Im Innenraum erweckt die Gleichteilestrategie sofort das Gefühl von Vertrautheit – allerdings nicht das von Heimat. Denn dafür strahlt das Cockpit dann doch zu viel Sparsamkeit aus. Selbst in den höheren Ausstattungsversionen, in denen mehrfarbige Kunststoffe wenigstens für ein Minimum an Lebendigkeit sorgen, bleibt der Gesamteindruck eher trist – zumindest wenn man es am hohen Standard der übrigen Konzernmodelle misst. Wer aber nur einmal im Jahrzehnt ein neues Auto kauft – und das dürfte bei der Mehrheit der Rapid-Zielkundschaft der Fall sein – wird sich daran vielleicht gar nicht stören.

© Skoda
Innen geht es spartanisch zu

Und auch sonst fährt mit dem Skoda gut, wer keine übertriebenen Ansprüche an sein Fortbewegungsmittel stellt. Der Rapid schlägt sich auf allen Straßenarten durchaus ordentlich, ohne zu glänzen. So federt er etwas steifer, brummt unter der Motorhaube etwas lauter und reagiert auf Seitenwind etwas empfindlicher als etwa ein VW Golf oder Jetta. Die präzise Lenkung, das handliche Fahrverhalten und die präzise Gangschaltung teilt er sich aber mit den Wolfsburger Geschwistern. Und das sind nicht die schlechtesten Vorbilder.

Nicht wirklich ein Schnäppchen

Beim Preis lässt der Skoda den VW-Modellen allerdings gern die Vorfahrt. Die günstigste Variante der Limousine kostet 13.990 Euro und somit nur wenig mehr als der 50 Zentimeter kürzere Polo. Wie so oft bei Einstiegsmodellen eignet sich der Basis-Rapid mit seinen schwächlichen 55 kW/75 PS (bei stolzen 5,8 Litern Normverbrauch) allerdings nur für eisenharte Puristen. Wer einigermaßen flott vorankommen will, sollte schon den deutlich moderneren und sparsameren 1,2-Liter-Turbobenziner wählen (63 kW/86 PS oder 77 kW/105 PS). Preis: ab 15.110 Euro. Unser Testwagen war mit dem 77 kW/105 PS starken 1,6-Liter-Diesel ausgestattet, der den Preis auf 18.410 Euro treibt, dafür aber auch souveräne Fahrleistungen mit geringem Verbrauch kombiniert.

© Skoda
Statt einer Kofferraumklappe trägt der Rapid eine große Heckklappe

Ein wirkliches Schnäppchen – verglichen etwa mit dem 7.000-Euro-Auto Dacia Logan – ist der Rapid letztlich nach absoluten Zahlen also nicht. Wer aber das gute Raumangebot und den großzügigen Kofferraum mit in die Rechnung aufnimmt, wird kaum einen günstigeren Konkurrenten finden. Letztlich ist der Skoda daher durchaus eine clevere Wahl. Zumindest für Menschen, denen egal ist, was andere möglicherweise spießig finden.

Technische Daten – Skoda Rapid:

Viertürige, fünfsitzige Limousine der Kompaktklasse, Länge: 4,48 Meter, Breite: 1,71 Meter, Höhe: 1,46 Meter, Radstand: 2,60 Meter, Kofferraumvolumen 550 – 1.490 Liter1,6-Liter-Diesel, 77 kW/105 PS, maximales Drehmoment: 250 Nm bei 1.500 bis 2.500 U/min, Vmax 190 km/h, 0-100 km/h in 10,4 s, Normverbrauch: 4,4 l/100 km (4,0 l in der verbrauchsoptimierten Green Tec-Variante)/100 km, CO2-Ausstoß: 114 (106) g/km, Effizienzklasse B, Testverbrauch 5,3 l/100 km; Preis ab 18.410 Euro

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