Test: BMW 330d Touring: Von allem etwas
Von allem etwas

23. Mai 2013 | kommentieren

Unser Testwagen, ein 3er Kombi mit großem Dieselmotor: Der 330d Touring ist ein Fahrzeug, das man auch als einzigen großen Kompromiss verstehen kann. Allerdings mit dem Ergebnis, dass man seinem Besitzer kaum Kompromisse abverlangen muss.

Der Motor ist ein Sahnestück

Beginnen wir, wie es sich bei einem Fahrzeug dieser Marke gehört, mit dem Motor. Natürlich kann man für dieses Fahrzeug sparsamere Diesel bestellen – oder sportlichere Benziner. Der 3,0-Liter-Sechszylinder ist aber eine hervorragende Wahl. Für einen Diesel läuft er dank der Anordnung seiner Töpfe in Reihe ausgesprochen leise und harmonisch und verbraucht bei entsprechender Fahrweise nur wenig. Wer will, kann die 190 kW/258 PS aber auch mit leichtem Gaspedaldruck zum Leben erwecken. Dann gibt es auf der Autobahn nicht mehr viele Fahrzeuge, die beim Zwischenspurt mithalten können. Mit anderen Worten: Der Motor ist ein Sahnestück. Wenn der Verstand den kleinen Diesel mit 116 PS präferiert, der Bauch gerne den 3-Liter-Benziner mit 306 PS hätte, dann können sich beide auf den großen Selbstzünder gut einigen.

© BMW
Bis zu 1.500 Liter passen hinter die große Klappe

Ein Kompromiss ist der 330d Touring auch in Sachen Platzangebot. Im Vergleich zum Vorgängermodell bietet er zwar speziell für Passagiere mehr Bewegungsfreiheit, im Vergleich zu den Hauptwettbewerbern Mercedes C-Klasse T-Modell und Audi A4 Avant geht es bei ihm jedoch immer noch beengter zu, oder sollen wir sagen sportlicher? Besonders deutlich wird das beim Laderaumvolumen. Beim BMW ist bei recht schmalen maximal 1.500 Litern Schluss, die Wettbewerber bieten beide deutlich über 1.700 Liter. Andererseits mag ein BMW-Fahrer denken: Es reicht mir für fast alle Aufgaben des Alltags und für den großen Umzug leihe ich mir einen Transporter – da ist mir mein Lifestyle-Kombi sowieso zu schade. Und da hat er ja auch Recht.

Innenraum wirkt technisch unterkühlt

Obwohl das feine Teil andererseits wiederum von Perfektion ein gutes Stück entfernt ist. So wurde der Innenraum zwar ergonomisch gut aufgeteilt und wirkt durch seine technische Unterkühltheit sehr deutsch. Die Qualität der Materialien und zum Teil auch deren Verarbeitung (Handschuhfach) bleibt allerdings teils deutlich hinter der eines Audi zurück. Hier mag auch ein Grund liegen, warum BMW mit seinen Fahrzeugen so gutes Geld verdient.

© BMW
Das Cockpit wirkt wertig

Denn kompromisslos ist bei diesem Auto nur die Preisgestaltung: 46.600 Euro für den Touring mit diesem Motor sind nun wirklich eine Menge Geld. Zwar gehört die formidable Achtgang-Automatik zur Serienausstattung, ansonsten sollte man aber mindestens 10.000 Euro für wichtige Extras (Navi, Leder) einkalkulieren. Denn nur so erhält das Fahrzeug jenen Premium-Anstrich, wegen dem man es letztlich ja kauft.

Zwischen allen Stühlen

Doch wer das nötige Kleingeld hat oder seinen BMW günstig als Dienstwagen fahren darf, der wird den Preis des 330d Touring als angemessen empfinden. Ein Auto, technisch an der Spitze und doch im besten Sinne zwischen allen Stühlen: als Kombi mit zu wenig Laderaum, als sportliches Fahrzeug mit viel Vernunft gepaart und als fortgeschrittenes Objekt deutsche Ingenieurskunst, die allerdings ihren Preis hat.  

BMW 330d Touring – Technische Daten:Fünfsitziger, fünftüriger Kombi der Mittelklasse; Länge: 4,62 Meter, Breite: 1,81 Meter (2,03 Meter mit Außenspiegeln), Höhe: 1,43 Meter, Radstand: 2,81 Meter, Kofferraumvolumen: 495 – 1.500 Liter3,0-Liter-R6-Diesel; 190 kW/258 PS, maximales Drehmoment: 560 Newtonmeter bei 1.500 – 3.000 U/min, 0-100 km/h: 5,6 s, Vmax: 250 km/h (abgeregelt), Durchschnittsverbrauch: 5,1 Liter je 100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 135 g/km, Effizienzklasse: A, Testverbrauch: 7,2 LiterPreis: 46.600 Euro

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