Vorbildliche Elektromobilität
Stromer am Himalaja

26. November 2013 | kommentieren

Um Elektromobilität mehrheitsfähig zu machen, braucht man überschaubare Märkte mit staatlicher Unterstützung, wie beispielsweise Norwegen, wo sich Tesla und Nissan an der Spitze der Zulassungshitparade abwechseln. Es hilft aber auch, wenn man E-Mobilität einfach anordnen kann.

Das Himalaja-Königreich Bhutan fährt selten in die Schlagzeilen. Die knapp 660.000 Einwohner leben abgeschieden am Fuß des gigantischen Gebirges und suchen nach dem königlich verordneten Bruttosozialglück. Noch vor 20 Jahren kannten die Menschen weder Telefon, noch Radio oder Fernsehen, und erst vor einigen Jahren hat sich der Staat westlichen Besuchern geöffnet. Diese Abgeschiedenheit hat sich inzwischen geändert, und demnächst könnte Bhutan das erste Land mit einer ausschließlich elektrisch angetriebenen Fahrzeugflotte werden.

Die Umstellung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren auf Elektromobile soll im kommenden Frühling beginnen. Bereits in zwei Jahren sollen alle Regierungsfahrzeuge gegen elektrisch angetriebene Modelle ausgetauscht sein. Insgesamt umfasst der öffentliche Fuhrpark einschließlich Bussen, Taxis und Behörden-Fahrzeuge aktuell 5.000 Automobile. Privatleute, die sich ebenfalls ein E-Mobil zulegen wollen, werden von der Regierung unterstützt. Zunächst kommen die Taxiunternehmen in den Genuss staatlicher Förderung. Taxis sind in der knapp 100.000 Einwohner zählenden Hauptstadt Thimphu das wichtigste Fortbewegungsmittel. Rund 100 vom indischen Konzern Maruti-Suzuki gefertigte elektrisch betriebene Taxis werden nach den aktuellen Plänen im kommenden Februar ausgeliefert werden.

Die Regierung einigte sich unterdessen mit Nissan auf die Lieferung des Leaf ab März. Nissan-Renault-Chef Carlos Ghosn und Bhutans Regierungschef Tshering Tobgay unterzeichneten den entsprechenden Vertrag bei einem Treffen in der Hauptstadt Thimphu. Nissan übernimmt dabei auch den Aufbau der Ladeinfrastruktur in der Stadt. Gleichzeitig hob das Königreich am 12. November das Importverbot für Elektromodelle auf. Neben Nissan und Maruti-Suzuki plant auch Tesla die Lieferung von E-Mobilen in das Königreich.

Für Nissan bietet sich am Rand des Himalajas eine einmalige Möglichkeit. Schließlich können die Japaner hier bei der Umstellung einer ganzen Stadt auf Elektromobilität handfeste Erfahrungen sammeln, wie sich dieses Vorhaben in anderen Orten umsetzen lässt. Die Regierung Bhutans, bei der Umweltpolitik eine lange Tradition besitzt, zielt mit der Maßnahme vor allem auf eine Verbesserung der Luftqualität in der Hauptstadt Thimphu und gleichzeitig eine Verringerung der Ölimporte, die schwer auf der Handelsbilanz lasten.

Die Energie für die elektrisch angetriebenen Modelle kommt in Bhutan fast ausschließlich aus erneuerbaren Quellen. Der aus Wasserkraft erzeugte Strom ist zudem das einzige nennenswerte Exportprodukt, das vor allem nach Indien geliefert wird. Allerdings werden aktuell die Exporterlöse fast vollständig vom Import fossiler Energieträger aufgewogen.

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