Tradition: 25 Jahre Lexus und Infiniti
Angriff auf die Stern-Flotte

15. Januar 2014 | kommentieren

Sie sollten die besten Autos der Welt werden. Perfekte Luxuslimousinen, die alle Premiumhersteller von Cadillac über Mercedes-Benz bis Rolls-Royce das Fürchten lehrten. Tatsächlich gelang Lexus und Infiniti in Amerika vor 25 Jahren ein Blitzstart. Ein Erfolg, den die feinen Töchter von Toyota und Nissan in Europa so nicht wiederholen konnten.

„Japans neue Superautos!“, „Welt der Wunder“ oder „Oje, Mercedes! Neue Luxus-Japaner – billiger, aber genauso gut“ lauteten die respektvollen Schlagzeilen der deutschen Presse zur Präsentation der ersten Luxuslimousinen unter den Logos der neuen Nippon-Nobellabels Lexus und Infiniti. Toyota und Nissan hatten diese feinen Tochtermarken gegründet und ließen ihre Flaggschiffe vor genau 25 Jahren auf der Detroit Auto Show vom Stapel.

Beide Konzerne wollten Nordamerika erobern, Toyota hatte mit Lexus jedoch von Beginn an die Welt zum Feld erklärt. Eine Zielsetzung, der Infiniti erst 2008 folgte. So war es zunächst vor allem die Marke Lexus mit dem bewusst gesuchten Namensklang von Luxus, die alle etablierten Premiumhersteller aufmerken ließ und auch eine Kampfansage war an weitere Aufsteiger aus dem Land der aufgehenden Sonne. Schließlich gab es bereits seit 1986 Acura als Edel-Division von Honda während Mazda seine feine Marke Xedos für 1992 startklar machte. Die Detroiter Auftaktparty für die Debütantinnen Lexus und Infiniti an einem kalten Januartag 1989 wurde jedenfalls zu einem rauschenden Fest, das die Neuerscheinungen von Cadillac und Lincoln ebenso ins Abseits stellte wie den frischen Audi V8 oder den englischen Hochadel aus Coventry und Crewe. Tatsächlich war die Präsentation der japanischen Achtzylinder die gelungene Ouvertüre zu einer Neuordnung der seit Jahrzehnten festgefügten automobilen Hierarchien. Zumindest in Amerika. Hier sprengten die Absatzerfolge besonders von Lexus selbst die höchsten Erwartungen. In Europa hingegen sind Infiniti und Lexus bis heute Nischenmarken, Acura von Honda ist unbekannt, während die Mazda-Tochter Xedos völlig floppte.


Was bewog die Japaner zur Offensive ins automobile Adelssegment, das bis dahin von Marken besetzt war, deren Stammbaum bis in die Gründertage des Automobils reichte? Toyota-Chef Eiji Toyoda gab 1983 die Stoßrichtung vor, als er die Entwicklung des besten Autos der Welt forderte. Gilt doch der Bau des jeweils besten Autos nicht nur in Japan als Schlüssel zum Aufbruch eines Unternehmens zu neuer Größe. Japans Nummer 2, Nissan, folgte zwei Jahre später mit der Einrichtung des Entwicklungsteams „Horizon“. Horizon sollte ermitteln, wie die Mercedes-Benz S-Klasse und BMW 7er Limousinen übertroffen werden konnten. Zunächst auf dem lukrativsten Luxusautomarkt, den USA, später auch in Europa und Deutschland, wo Nissan vergeblich den Rang des größten asiatischen Importeurs anstrebte mit fünf Prozent Marktanteil bis 1995. Lexus wollte nicht weniger als Luxus in vollendeter Perfektion, wie sie nicht einmal Rolls-Royce bot. Die daraus resultierende Kundenzufriedenheit sollte Grundlage einer eigenen Erfolgsstory werden, zumal das erste Modell LS 400 (= Luxury Sedan mit 4,0-Liter-V8) zu Kampfpreisen ab 35.000 US-Dollar angeboten wurde.

Tatsächlich war der Lexus LS 19.000 Dollar preiswerter als ein BMW 735i mit profanem Sechszylinder. Noch krasser der Preisunterschied gegenüber Mercedes: Hier kostete der eine Klasse kleinere 300 E immer noch 10.000 Dollar mehr als der Nippon-V8, der überdies eine vierjährige Garantie inkludierte. Auch das Infiniti Q45 genannte Nissan-Spitzenmodell stand für sensationell günstige 38.000 Dollar in der Liste. Dafür bot die knapp 5,10 Meter lange Limousine einen 204 kW/278 PS starken 4,5-Liter-V8 mit innovativer Vierventiltechnik und eine Allradlenkung.

Mehr noch als der ausgiebig auf deutschen Autobahnen getestete LS 400 sollte der Q45 ein dynamisches Fahrerauto sein. Vor Kundenauslieferung wurde jeder Infiniti deshalb ausführlich getestet, die Prüfstände arbeiteten sogar bis zu einer Vmax von 300 km/h. Im streng reglementierten amerikanischen Straßenalltag allerdings griff bei (bereits illegalen) 240 km/h eine Abregelung ein. Lexus erlaubte wie die deutschen Hersteller bis 250 km/h, stellte sich damit aber auch schon 1989 auf der Frankfurter IAA dem europäischen Publikum vor. Als sensationell galt die Spurtfreudigkeit des Infiniti, der beim Standardsprint die 100-km/h-Marke nach sieben Sekunden passierte und sogar die Zwölfzylinder von BMW und Jaguar auf Distanz hielt.

Erschwingliche Preise und motorische High-Performance genügten aber noch nie, um in der Prestigeklasse zu punkten. Exklusivität und Tradition waren stets wichtiger. An Tradition fehlte es den japanischen Newcomern zwangsläufig, weshalb sie den Start zunächst in der Neuen Welt wagten, ehe sie zum Sprung über den Atlantik ansetzten. Exklusivität suchten die Marken dagegen durch außergewöhnliche Qualität und beispielhaften Service. So entwickelten Lexus und Infiniti Autohäuser in eigenständiger Architektur, in denen die Fahrzeuge wie Kunstwerke präsentiert wurden. Ein hehrer Anspruch, der später aufgegeben wurde als etwa diverse Händler einfach einen Teil ihres Toyota-Schauraums für Lexus-Fahrzeuge freiräumten.


Die Amerikaner aber begeisterten sich uneingeschränkt für die neuen Marken aus Japan. In Kundenzufriedenheitsuntersuchungen lagen Lexus und Infiniti von Beginn an ganz vorn und die Verkaufszahlen waren rekordverdächtig. Daran änderten auch die eilig nachgeschobenen, profaneren Sechszylinder-Modelle Lexus ES 250 auf Basis des Toyota Vista/Camry und der vom Nissan Laurel/Leopard abgeleitete Infiniti M30 nichts. Lexus und Infiniti sind bis heute en vogue in Amerika, wobei allerdings Lexus lange deutlich erfolgreicher agierte. Während der Deutschlandstart der Toyota-Tochter zäh verlief, war Lexus in den USA schon 1991 die Nummer eins der Oberklasse-Importeure mit über 71.000 Zulassungen. Mit dem folgenden Ausbau der Modellpalette – 1991 folgte das Coupé SC, 1993 die von Stardesigner Giugiaro gezeichnete Limousine GS und 1996 der SUV LX – überholte Lexus 1997 sogar die einheimischen Platzhirschen Cadillac und Lincoln.

Anders in Europa und Deutschland. Hier begeisterten sich die Presse und die einmal gewonnenen Kunden zwar ebenfalls für Zuverlässigkeit, Service, fast konkurrenzlose Garantieleistungen von Lexus, nahezu perfekte Verarbeitung und serienmäßige Komplettausstattungen. Was aber Lexus und Infiniti bis heute fehlt sind flächendeckende Händlernetze sowie die Bekanntheit und Faszination der etablierten elitären Europäer  – und so bleiben die Verkaufszahlen marginal.

In den ersten 20 Jahren fand Lexus gerade einmal 43.000 deutsche Kunden, weniger als Mercedes heute in zwei Monaten erreicht. Aber die Zeiten sollten noch härter werden für die Japaner: 2013 kamen gerade einmal 1.653 deutsche Lexus-Zulassungen zusammen. Infiniti – hierzulande erst seit 2009 vertreten – bleibt gar auf dem Niveau italienischer Supersportwagen. Daran änderten bislang auch Maßnahmen wenig wie kompaktere Baureihen durch den Lexus IS (ab 1998 gegen BMW 3er oder Audi A4) und Lexus CT 200h (ab 2011), die SUV (ab 2000 Lexus RX, Infiniti EX und FX ab Europastart 2008), die Vorreiterrolle durch eine Hybridoffensive in allen Fahrzeugklassen, speziell für Europa lancierte Dieselmodelle sowie der Supersportwagen Lexus LFA oder die 2011 begonnene Partnerschaft zwischen Infiniti und dem Formel-1-Team Red Bull Racing mit Sebastian Vettel als Infiniti-Markenbotschafter.

Deutschland bleibt für Premiummarken der härteste Prüfstein der Welt und genau deshalb wollen Lexus und Infiniti hier bestehen. Dazu wuchern sie mit einem Pfund, das am Ende die Entscheidung bringen könnte: Niemand hat so einen langen Atem wie diese beiden unermüdlichen japanischen Autobauer.


Historie:
1983: Toyota-Chef Eiji Toyoda gibt das Startsignal für die Schaffung einer neuen Premiummarke
1984: Das „F1“ (Flagship-1)-Projekt von Toyota wird umgesetzt unter den Chefingenieuren Shoiji Jimbo und Ichiro Suzuki
1985: Die ersten von insgesamt über 450 Toyota „F1“-Prototypen gehen in Erprobung. Nissan beauftragt ein geheimes Task-Force-Team mit der Entwicklung einer Nobelmarke, die gegen amerikanische und europäische Premiumhersteller antritt, der Start des Projekts Horizon
1986: Toyota schickt sein künftiges Topmodell zu Erprobungsfahrten auf deutsche Autobahnen. Acura geht als Nobelmarke von Honda in den USA an den Start. In den ersten Jahren zählt Acura in Nordamerika zu den erfolgreichsten Luxusmarken
1987: Im Juli nennt Nissan seine neue Division Infiniti, eine Variation des englischen Wortes Infinity (= Unendlichkeit). Unverwechselbarkeit sollen die vier „I“ garantieren und ein Logo mit zwei zentralen Linien, die zu einem unbestimmten Punkt am Horizont führen. Acura verkauft im ersten vollen Jahr 109.000 Einheiten, darunter 55.000 Legend Limousinen
1988: Finale Namensfindung für die Luxuslimousine Lexus LS 400. LS steht für Luxury Sedan, 400 indiziert den 4,0-Liter-V8
1989: Im Januar debütieren auf der NAIAS in Detroit die Limousinen Lexus LS 400 und Infiniti Q45. Im November erfolgt der amerikanische Marktstart für Lexus und Infiniti. Neben dem Q45 bietet Inifiniti den M30 an, ein 3,0-Liter-V6 Modell auf Basis der japanischen Nissan Laurel/Leopard-Linie. Lexus offeriert außerdem den ES 250 mit 2,5-Liter-V6 auf Basis des Toyota Vista/Camry. Auf der Frankfurter IAA feiert der Lexus LS 400 im September Europapremiere. Im gleichen Monat rollen in den USA bereits die ersten ES 250 und LS 400 zu den Händlern. Im ersten Verkaufsmonat setzt Lexus in den USA insgesamt 2.919 LS und 1.216 ES ab, ein Rekordresultat für einen Newcomer im Luxussegment. Infiniti feiert im November seine amerikanische Markteinführung und erzielt auf Anhieb Bestwerte bei Kundenzufriedenheitsuntersuchungen. Im ersten Verkaufsjahr werden 1.759 Infiniti abgesetzt, darunter auch das M30 Convertible, gebaut bei ASC (American Sunroof Corp.)
1990: Mit insgesamt 23.960 verkauften Einheiten ist Infiniti überaus zufrieden. Als sensationell feiert die Fachpresse die aktive Radaufhängung des Q45. Lexus meldet im Oktober für das erste Verkaufsjahr sogar über 63.000 verkaufte Einheiten (zum Vergleich: BMW 64.000 Einheiten, Mercedes-Benz 78.000 Einheiten
1991: Lexus wird in den USA der erfolgreichste Oberklasse-Importeur mit 71.206 Zulassungen und damit deutlich mehr als Mercedes-Benz oder BMW. Seit Frühjahr ergänzt das Coupé Lexus SC – abgeleitet vom Toyota Soarer – das Modellprogramm
1993: Im Januar debütiert in Detroit der Lexus GS 300 als neue Baureihe
1995: Lexus steht zum fünften Mal in Folge beim J.D. Power Qualitätsranking an der Spitze
1996: Mit dem LX450 (Basis Toyota Land Cruiser) lanciert Lexus seinen ersten SUV
1997: Lexus verkauft in den USA 97.593 Einheiten und damit erstmals mehr Autos als die einheimischen Luxusmarken Cadillac und Lincoln
1998: Premiere für den Lexus RX 300. Mit 156.260 Einheiten erzielt Lexus einen neuen Absatzbestwert
1999: Lexus engagiert sich im Motorsport mit dem GS 400, den das Team Lexus im Motorola Cup, dem späteren Grand-Am Cup einsetzt. 185.890 Lexus werden in diesem Jahr verkauft
2000: in Los Angeles debütiert der Lexus IS 300 als Einstiegsbaureihe. Im Juni feiert Lexus eine Million produzierte Autos. Zum zehnten Mal in Folge liegt Lexus beim J.D. Powerranking an der Spitze  
2001: Das Coupé-Cabrio Lexus SC 430 geht an den Start. 223.983 Lexus-Neuzulassungen für die in Amerika erfolgreichste Premiummarke
2003: Erstmals verkauft Infiniti über 100.000 Einheiten in einem Jahr. Mit insgesamt 119.000 Zulassungen wird das Vorjahresergebnis um 35 Prozent übertroffen
2004: Mit zahlreichen Technikinnovationen setzt Infiniti Meilensteine, darunter der Infiniti FX mit dem ersten serienmäßigen Spurhalteassistenten
2005: Mit 136.401 Zulassungen in den USA erzielt Infiniti ein vorläufiges Allzeithoch. Der Lexus RX 400h startet als weltweit erstes SUV mit Hybridantrieb
2007: Mit 329.117 verkauften Fahrzeugen bleibt Lexus in den USA die Luxusmarke Nummer eins
2008: Infiniti wird in 21 europäischen Ländern eingeführt. Die Europzentrale sitzt in Rolle/Schweiz. Als erste Modellreihen werden in Europa die Infiniti-Modelle FX50, G und EX37 angeboten
2009: Im Oktober erfolgt der Verkaufsstart von Infiniti in Deutschland. Bis 2010 werden vier Filialen eröffnet in Hamburg, Dresden, Berlin und Düsseldorf. Lexus erfährt einen Absatzeinbruch auf 215.975 Autos, bleibt aber in den USA erfolgreichste Luxusmarke, jetzt mit vier Hybrid-Baureihen. Weltpremiere des LFA-Supersportwagens in Serienversion
2010: Infiniti bietet die Modelle M, EX und FX mit einem neu entwickelten V6-Diesel an. Weltpremiere des Lexus CT 200h als bislang kleinste Lexus-Baureihe und dies mit Hybridantrieb. Seine hochgesteckten Absatzziele kann der CT 200h (Marktstart 2011) in Deutschland nicht erreichen
2011: Infiniti wird Partner von Red Bull Racing und erzielt über die Formel-1-Präsenz weltweite Bekanntheit. Sebastian Vettel wird in den Folgejahren Markenbotschafter von Infiniti
2012: Infiniti verlegt sein globales Hauptquartier vom japanischen Yokohama (Nissan-Zentrale) nach Hong Kong und fimiert als Infiniti Global Limited     
2013: Auf der Frankfurter IAA debütiert das Q30 Concept Car als Vorbote einer neuen kompakten Baureihe. Lexus lanciert den Vorboten einer neuen SUV-Reihe und die erneuerte IS-Serie
2014: Auf der NAIAS in Detroit zelebrieren Infiniti und Lexus ihren 25. Geburtstag

an-sg
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